Meine Erfahrungen mit Stoffwindeln

Kooperation mit baby-walz – Produktlinks übernommen, meine Erfahrungen sind davon unbeeinflusst

Eine durchschnittliche unbenutzte Wegwerfwindel wiegt etwa 38,6 g. 5 Mal am Tag. 7 Tage die Woche. 365 Tage im Jahr. 2 bis 4 Jahre lang. Das sind etwa 176 kg Windeln in 2,5 Jahren. Quelle

Leider habe ich mich beim ersten Kind noch nicht mit diesem Thema auseinander gesetzt. Es ist enorm, wie viel Müll Wegwerfwindeln erzeugen. Beim zweiten war mir schon vorher klar, dieses Mal nicht. Dieses Mal möchte ich Alternativen nutzen und bin zu den Stoffwindeln gekommen.

Vorab: Ich bin keine Stoffwindelberaterin und habe auch sonst nicht das gesamte Wissen dazu aufgesaugt, ich möchte nur meine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Systemen weitergeben, die ich in den letzten 5 Monaten ausgiebig testen konnte. Deshalb kam mir die Kooperation mit Baby-Walz, wo man ein ausgiebiges Sortiment an Stoffwindeln finden kann, gerade recht.

Meine Freundin, die Stoffwindelberaterin ist, meinte, wir müssen halt probieren, was zu uns passt. Da es in der Nähe allerdings keine Beraterinnen gibt, bei denen ich hätte testen können, habe ich mir mittlerweile selbst eine recht große Vielfalt an Stoffwindeln gekauft oder ertauscht und kann somit einen kleinen Überblick über die Systeme geben.

All-in-Ones

Dieses System ist das, was mir bei meiner Internetrecherche als erstes aufgefallen ist, da es meiner Meinung nach der Wegwerfwindel am ähnlichsten ist. All-in-Ones brauchen keine Überhose, zunächst auch keine Einlagen sondern sind so fertig und einsatzbereit. Sie bestehen aus einem saugenden Teil und einer wasserdichten Hülle, die fest miteinander vernäht sind. Einige lassen sich mit Klettverschluss schließen, einige mit Druckknöpfen. Die Größe lässt sich meist auch über Druckknöpfe regulieren.

So wurde dieses System auch das erste, was wir uns bestellt hatten. Wir entschieden uns, weil wir ja erste einmal probieren wollten, für ein günstiges Set von Bambino Mio.

Diese Stoffwindeln sind One-Size also eine Größe soll von Anfang bis Ende passen. Gewährleisten sollen dies die Druckknöpfe, die von ganz klein bis ganz groß verstellbar sind. Ich habe allerdings gelesen, dass sie den kleinsten Babys noch nicht passen. Dieses Problem hatten wir nicht. Unser Baby war und ist aber auch extrem groß und schwer und auf kleinster Einstellung passte der Popsch sofort in die Windel. Ich war auch zunächst super zufrieden mit diesen, allerdings wurde mein Baby mit der Zeit ein Vielpiesler, so dass die Windeln ausliefen. Mittlerweile stopfe ich sie aber ordentlich, so dass nichts mehr ausläuft und wir nutzen sie sehr häufig und intensiv. Ein Nachteil ist, dass man sie, so praktisch das komplette Set ist, nach dem Gebrauch (2-4 Stunden) sofort wieder zum Waschen geben muss, man kann sie also nicht hintereinander mehrfach verwenden. Aber gerade für Einsteiger oder kritische Papas, Opas, Omas… ist dieses System perfekt.

Mehrteilige Windeln

Hier gibt es gefühlte 100.000 Möglichkeiten und Systeme. Deswegen habe ich mich anfangs nicht an mehrteilige Windeln herangetraut und fand den Dschungel ziemlich verwirrend. Mittlerweile habe ich aber auch da einige Systeme getestet und die Ergebnisse teile ich hier:

Bindewindeln und Wollüberhose

„Ach du nutzt Stoffwindeln?“, dann bringen wir euch was mit, so die Patenfamilie von meinem Großen. Das Ergebnis waren: Strickwindeln und Wollüberhosen „Und was mache ich jetzt damit?“ So war meine Reaktion. Aber auch da wies mich die geübte 3-fach-Mama sofort ein. Und ich bin unendlich dankbar dafür. Dieses System ist gut gestopft das einzige, was bei uns auch eine komplette Nacht durchhält. Die Wollüberhosen muss man regelmäßig imprägnieren, was aber total einfach ist (waschen, über Nacht in einer Lanolinkur einlegen, trocknen lassen – fertig) Ab und an frische ich die Imprägnierung mit Extraspray nach, so dass diese wirklich immer dicht ist. Ich hätte nie gedacht, dass so ein bisschen Wolle wirklich dicht halten kann, wurde aber vom Gegenteil überzeugt und bin wirklich begeistert von diesem System. Lediglich das Anlegen dauert etwas länger.

Übrigens: Als die Freundin wieder weg war, stand ich da mit meinen Windeln und hatte keine Ahnung mehr, also habe ich Youtube befragt und da gibt es glücklichweise einige Videos dazu. In dem kommenden Video könnt ihr an 5:35 sehen, wie man eine solche Windel anlegt. Am besten ihr startet bei 5:35 Min. Der Rest ist mehr oder weniger Erklärungswerbung.

All-in-two

Bei diesem System gibt es eine Überhose, in die eine oder mehrere Saugeinlage aus unterschiedlichsten Materialien gelegt, geknöpft oder geklettet wird. Die Überhose kann dabei aus PUL oder aus Wolle sein.

Als überzeugte ATTA (Tragetuchabhängige^^) nutze beispielweise die Pupidu von Kokadi. Über diese habe ich schon viele kritische Stimmen gelesen aber sie halten hier ganz wunderbar dicht und sehen zudem noch gut aus bzw. haben sie die Motive einiger Tragetücher. Wenn ich jetzt noch die passende Kleidung, das passende Tuch… OK, das führt zu weit.

Außerdem habe ich noch Milovia getestet, diese halten auch gut dicht und lassen sich schön stopfen. Ich bin wahrscheinlich einer der seltenen Fälle, bei denen jedes System funktioniert. Ich habe in meiner Testphase noch kein System entdeckt, das komplett undicht war, auslief oder mein Kleiner nicht mochte. Nur nachts halten alle All-in-two Systeme hier nicht dicht, da ist der Schlafanzug nass und wir greifen auf die oben schon vorgestellten Bindewindeln zurück. Ich bin der Meinung, dass bei uns tagsüber jedes System funktioniert, insofern es ordentlich gestopft ist.

All-in-three und mehr…

Wir haben noch eine andere Windelsorte, die gDiapers. Diese bestehen aus drei Teilen, die nicht miteinander vernäht sind. Die gPant ist eine bunte, wiederverwendbare Stoffwindel aus Baumwolle. In die gPant wird eine wasserdichte Innenwindel geknöpft, die bei Bedarf ausgewechselt werden kann. In die Innenwindel legt man dann Saugeinladen wie bei den All-in-two-Windeln. Hierbei ist meiner Meinung nach der Vorteil, dass die Außenwindel nicht beim großen Geschäft dreckig wird, man die Innenwindel einfach auswaschen kann und sie somit schneller und länger verwendet werden kann, ehe man sie wäscht. Vom Handling und den Erfahrungen unterscheiden sie sich für mich nicht groß von den All-in-two.

Außerdem gibt es noch Pocketwindeln. Diese bestehen aus zwei Teilen: Einer Art Hülle mit einer wasserdichten Ebene und einer Einlage, die in diese Hülle hineingeschoben wird. Diese habe ich noch nicht getestet, wollte sie aber aufgrund der großen Anzahl an möglichen Systemen nicht unerwähnt lassen.

Zubehör

Saugeinlagen

Nicht nachhaltig aber günstig und effektiv sind kleine Waschlappen oder Gästehandtücher vom blauen Möbelriesen. Diese können gefaltet und in die Windel gelegt werden, ich persönliche habe davon etliche gebraucht bekommen.

Außerdem eigenen sich die ganz normalen Mullwindeln als Stopfmaterial sowie sämtliche Waschlappen und (ggf. zerschnittene) alte Handtücher.

Zusätzlich konnte ich schon Hanf und Viskose testen. Diese funktionieren sehr gut und sind in Kombination mit einem Waschlappen bei uns die Nachtstopfmaterialien.

Was ich gelesen habe ist, dass als erste Lage schnell saugende Materialien genommen werden sollten, das ist bei uns immer Baumwolle. Diese müssen sofort wenn das kleine Geschäft kommt, aufsaugen. Darunter kommen dann vielsaugende Materialien wie eben Hanf. Diese speichern relativ viel Nässe und halten lange dicht, so dass man die Windeln eben auch über Nacht nicht unbedingt wechseln muss. (Insofern kein großes Geschäft dazu kommt oder das Baby sich unwohl fühlt.)

Windelvlies

Eine der besten Erfindungen überhaupt, ist meiner Meinung nach das Windelvlies. Hierbei wird im Pobereich eine Art Papierlage geschichtet, die den groben Stuhl auffängt und problemlos entsorgt werden kann. So muss man beim Waschen in der Maschine nicht auf den Stuhl Rücksicht nehmen. Bei Muttermilchstuhl ist dies nicht nötig, da dieser komplett wasserlöslich ist aber ab Einführung der Beikost bzw. bei Flaschenkindern, kann man das Vlies problemlos verwenden. Die meisten Sorten sind biologisch abbaubar und einige dürfen sogar im Klo entsorgt werden. (Nicht jede Sorte! Bitte genau nachlesen!)

Ich nutze aktuell den Windelvlies mioliners von Bambino Mio, sobald der Stuhl fest ist, werde ich auf den von Grünspecht umsteigen, der sich aber aktuell noch auflösen würde.

Sonstiges

Für zu Hause habe ich noch einen beschichten auswaschbaren Korb gekauft, mit dem ich die Windeln problemlos zwischen Waschmaschine und Regal hin und her transportieren kann und für unterwegs ein Wetbag, in das ich benutze Stoffwindeln füllen kann bis ich sie zu Hause wieder waschen kann. Beide Dinge sind problemlos abwaschbar und wenn man noch bisschen Essig auf den Lappen gibt auch wieder hygienisch einwandfrei.

Das Waschen ist auch super einfach, eine Anleitung dazu findet ihr hier.

Ansonsten kann ich nur dazu raten, die verschiedenen Systeme zu testen und auszuprobieren. Die Windeln sehen nicht nur viel besser aus als jede konventionelle Wegwerfwindel, sie vermeiden Müll und schonen den Babypopo. Bei meinem Kind ist es nämlich so, dass er von einigen Windelmarken Ausschlag bekommt, währenddessen er von Stoffwindeln einen ganz normalen weichen Babypopo hat.

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