Der Marsupi

Der Marsupi* ist ein Urgestein in der Welt der Fertigtragen, denn es gibt ihn schon seit 1996!
Ursprünglich aus Rumänien stammend und auch heute noch dort gefertigt, gehört der Marsupi inzwischen zum gleichen Hause wie die
Manduca: nämlich zur Firma Wickelkinder. Doch wenn du jetzt denkst: Kennste eine, kennste alle, liegst du leider ziemlich falsch.

Der Marsupi unterscheidet sich tatsächlich grundlegend von der Manduca.
Was diese Trage sonst noch ausmacht, erfährst du in diesem Artikel.

Allgemeines zum Marsupi

 Wir zählen den Marsupi zur Kategorie der Halfbuckles, also Fertigtragen, bei denen der Hüftgurt mit einer Schnalle – in diesem Fall mit einem Klettverschluss – geschlossen wird, und die Träger hinter dem Rücken gekreuzt und dann geknotet – in diesem Fall geklettet – werden.

Du siehst schon, es ist nicht ganz so einfach, den Marsupi in eine unserer üblichen Schubladen zu stecken. Auch der Bondolino ist streng genommen kein richtiger Halfbuckle, weil er keine Schnalle am Hüftgurt hat. Wir wollen es aber mal nicht komplizierter machen, als es ist, und wählen für den Marsupi ebenso die Kategorie Halfbuckles.

Der Marsupi ist eine der wenigen Fertigtragen, mit denen du dein Kind nicht auf dem Rücken tragen kannst.
Naja, oder
fast nicht. Der Hersteller sieht das so:

Theoretisch auch als Rückentrage einsetzbar, allerdings ausschließlich mit Hilfe einer zweiten Person, die beim Anlegen und Absetzen hilft, da die Klettverschlüsse am Rücken nicht alleine geschlossen werden können!
Deswegen – Tragen auf dem Rücken im Marsupi nur auf eigene Verantwortung!

Auf eigene Verantwortung also, aha. Wir finden das äußerst unpraktisch. Da hilft auch nicht dieses Versprechen:

[Der Marsupi] bietet Dir verschiedene Tragemöglichkeiten:
Verwendbar nicht nur als
Bauchtrage, sondern auch als Hüfttrage!

Eine Anleitung zum Hüfttragen gibt es auf der Website jedoch nicht. Wer es trotzdem ausprobieren will, kann gern dieser Beschreibung folgen.

Aussehen und Material des Marsupis

 Der Marsupi ist eine sehr schlichte Trage und in der Regel einfarbig. Die Trage besteht zu 100% aus Bio-Baumwolle, die Polsterung ist aus Polyester. Ein wahrer Pluspunkt für den Marsupi, den wir von Eltern immer wieder hören, ist sein geringes Gewicht und kleines Packmaß.
Jedoch ist der verarbeitete Baumwollstoff auf der anderen Seite auch recht steif und schmiegt sich weniger gut an den Rücken deines Babys an als ein diagonalelastischer “Tragetuchstoff”.

Im Lieferumfang enthalten ist außerdem ein Stegbändiger, ein Aufbewahrungsbeutel sowie eine Anleitung.

Die Klettverschlüsse des Marsupis

 Das Alleinstellungsmerkmal des Marsupi ist definitiv seine üppige Ausstattung an Klettverschlüssen.

Wie auch beim Bondolino wird der Hüftgurt mit einem Klett verschlossen. Dabei muss dieser – laut TÜV-Prüfung – “nur” 12cm flächig schließen, um absolut sicher zu halten. Das trifft sich gut, denn viel länger ist der Hakenklett auch gar nicht.

 Zusätzlich zum Hüftgurt werden auch die Träger mit Klettverschluss befestigt, und zwar auf dem Rücken deines Kindes. Wenn du also dein Baby in der Trage fest an dich bringen möchtest, was wir in Hinblick auf die Stützung des Rückens immer empfehlen, bringst du die Träger unter großer Spannung nach vorn. Und diese Spannung konzentriert sich dann auf dem Rückenteil.

Fazit

 Die Verwendung von Klettverschlüssen hat sicherlich Vorteile, immerhin lässt Klett sich stufenlos anpassen und es müssen keine Schnallen verstellt oder ein Knoten gebunden werden.

Aber drei gravierende Nachteile liegen ebenso auf der Hand:

  1.  Der Klett sieht schon nach kurzer Zeit ziemlich unschön und verfusselt aus.

  2.  Das liegt daran, dass sukzessive vor allem viele Fasern deiner eigenen Kleidung darauf landen (der schöne Wollpullover…).

  3.  Versuch mal, dein schlafendes Baby gaaanz vorsichtig aus dem Marsupi herauszunehmen und abzulegen… RATSCH!

Einstellmöglichkeiten des Marsupis

 Die Einstellmöglichkeiten einer Fertigtrage beschreiben zum einen, wie gut sich die Trage an dein Baby anpasst, und zum anderen, wie lange die Trage mitwächst. Wie gut kann der Marsupi unsere Kriterien erfüllen?

Stegbreite

 Als Stegbreite wird die Breite des Stoffes unter dem Po deines Babys bezeichnet. Der Steg reicht im Optimalfall von Kniekehle zu Kniekehle des Kindes.

Der Marsupi verfügt über keine stufenlose Stegeinstellung. Er kommt lediglich mit einem Stegbändiger, mit dessen Hilfe der Steg abgebunden werden kann. Dies ist in den ersten Lebenswochen auch meistens notwendig. Die normale Stegbreite beträgt 25,5 cm. Die Einsatzdauer des Marsupi ist damit – stegtechnisch betrachtet – verhältnismäßig kurz.

Rückenteil-Länge

 Die Länge des Rückenteils kann nicht direkt verändert werden. Der Marsupi wird apron getragen, was generell eine tiefe Beutelung ermöglicht und somit das Rückenteil verkürzt.

Du hast jedoch wie bei allen Tragen die Möglichkeit, mit der Höhe des Hüftgurts auf deinem Bauch zu experimentieren. Grundsätzlich gilt, je höher der Gurt angelegt ist, umso kürzer ist das Rückenteil.

Mit der Kopfstütze kann das Rückenteil zusätzlich verlängert werden.

Kopf und Nacken stützen

 Der Marsupi verfügt über keine Nackenstütze, sondern lediglich über eine Kopfstütze, die mit Druckknöpfen an den Trägern befestigt werden kann. Will dein Kind mehr sehen, kannst du die Kopfstütze einfach nach unten klappen. Achte jedoch darauf, wie stabil das Köpfchen deines Babys schon ist und polstere gegebenenfalls den Nacken deines Kindes mit einem Spucktuch oder ähnlichem aus.

Marsupi-Größen

 Es gibt den Marsupi in drei Größen: S/M, L und XL. Auf Anfrage auch in XXL.

Die Größen sind jedoch nicht wie üblich davon abhängig, wie groß dein Baby ist, sondern wie groß der oder die Tragende ist. Es kann also durchaus passieren, dass für zwei sehr unterschiedlich gebaute Eltern auch zwei Tragen angeschafft werden müssen.

Übrigens: Das Größenschild liegt etwas versteckt an der oberen Innenseite des Rückenteils, wo der Träger angenäht ist:

Marsupi: Preis und Zubehör

 Die unverbindliche Preisempfehlung für den Marsupi liegt bei 69 Euro.

Es gibt keinen uns bekannten Zubehör.

Marsupi - Fazit

 Der Marsupi hat neben dem Schnäppchenpreis zwei weitere große Vorteile: Zunächst einmal ist er sehr einfach anzulegen. Es gibt keine Schnallen zu verstellen und keine Knoten zu binden. Das ist für manche Tragende eine echte Erleichterung. Zudem lässt sich der Marsupi wirklich klein zusammenlegen, das Packmaß ist winzig! Es ist also kein Problem, ihn immer dabei zu haben.

Doch es gibt auch einige Punkte, die wir zu bedenken geben wollen:
Der Marsupi funktioniert zwar ohne Schnallen oder Knoten, dafür aber mit
Klettverschluss. Dieser sieht nach kurzer Zeit meist schon verfusselt aus und das Ratsch-Geräusch könnte außerdem dein Baby aufwecken, wenn es dir in der Trage eingeschlafen ist.
Des Weiteren sind die Träger relativ
schmal. Probiere also unbedingt aus, ob der Marsupi bei dir gut sitzt oder ob dir die Träger in die Schulter schneiden.
Das größte Problem ist jedoch, dass der Marsupi leider keinem Kind lange passt. Es ist nicht möglich, den
Steg breiter zu stellen. So ist dieser oft schon mit wenigen Wochen, spätestens einigen Monaten zu schmal und darunter leidet vor allem die Bequemlichkeit für dein Kind, anatomische Aspekte mal außen vor gelassen.

Wir empfehlen, den Marsupi im Vergleich mit anderen Fertigtragen auszuprobieren. Möge die bessere Trage gewinnen… ähm, bei dir einziehen!

 Julia Küpper und Juli El