Trage-Tipps für Neulinge

Du möchtet dein Baby gern tragen, weißt aber nicht, wie und womit?

Du willst endlich mal wieder die Hände frei haben, um ein paar Handgriffe im Haushalt zu machen? Dein Baby scheint so weit weg und verloren im Kinderwagen? Du willst Dich mobil und frei fühlen und trotzdem dein Kind nah bei dir haben? Deine Freundin schwärmt vom Bondolino, aber deine Hebamme empfiehlt dir ein Tragetuch?

 

Zugegeben, wenn du dich noch gar nicht mit dem Tragen auseinander gesetzt hast, kann dich die Vielfalt an Informationen erst einmal erschlagen. Der Markt an Tragehilfen und Tragetüchern ist inzwischen riesig, und natürlich preisen alle Hersteller ihr Produkt als das tollste an. Wie fängst du nun also am besten an?

Wir haben dir ein paar Trage-Tipps für Neulinge zusammengestellt:

1. Geh es ruhig an

 Fang einfach damit an, dich hier und da über das Tragen zu informieren. Stöbere durch das Internet, lies ein paar Blogs oder schmöker in einem Buch (zum Beispiel Ein Baby will getragen sein*). Dadurch kannst du einen Eindruck bekommen, wieviel Wissen, Erfahrungen und verschiedene Meinungen es zum Tragen gibt. Aber lass dich nicht entmutigen! Bestenfalls kommst du zu dem Schluss, dass es Tragehilfen und Ideen zum Tragen gibt wie Sand am Meer. Und dass du dich allein vom Lesen wohl für keine Trage entscheiden kannst. Gut so, das ist eine wichtige Erkenntnis!

2. Frag herum

 Spaziere mit offenen Augen durch deinen Kiez, durch Parks oder geh auf Spielplätze. Du wirst immer mal wieder Trage-Eltern sehen. Frag ruhig nach, welche Trage/welches Tuch sie benutzen und wie zufrieden sie sind.

Vielleicht trägt auch dein Nachbar gerade sein Kind oder eine Mutter aus dem Rückbildungskurs. Erkundige dich nach ihren Erfahrungen. Im besten Fall darfst du die Trage sogar einmal ausprobieren! Sammle Meinungen und Erfahrungen und pick dir raus, was zu dir passt!

Frag auch deine Hebamme, ob sie sich mit dem Tragen auskennt und was sie empfehlen kann. Manche Hebammen haben auch ein Tragetuch oder eine Fertigtrage, die sie zum Ausprobieren mitbringen können oder gar ein paar Tage an dich verleihen würden.

Interessierst du dich für eine oder mehrere Tragen, dann schau, ob ich sie in den Reviews schon vorgestellt haben. So bekommst du einen umfangreichen Einblick in alle Features und Einstellmöglichkeiten.

3. Probiere aus

 Es gibt nicht die beste Trage, es gibt nur die beste Trage für dich!

Nach deiner Recherche hast du inzwischen sicherlich einige Tragehilfen gefunden, die dir ganz sympathisch erscheinen. Als nächstes kommt der wichtigste Schritt: Teste deine Auswahl durch! Je nachdem, wo du wohnst, hast du dafür verschiedene Möglichkeiten:

  •  Probiere die Tragen deiner Nachbarin/Freundin/Hebamme.

  •  Bestelle ein Testpaket.

Wertvolle Hinweise für den Kauf eines Tragetuchs findest du übrigens in unserem Beitrag Tragetuch-Beitrag.

4. Öffne dich

 “Ein Tragetuch ist viel zu kompliziert?”
Oder andersherum:
“Ein Tragetuch ist für ein Neugeborenes das Beste!”

Eine Fertigtrage mit vielen Schnallen ist schnell angelegt!”
Oder andersherum:
“Schnallentragen sind nur etwas für Wanderer und Bergsteiger!”

 

Bleib offen und hinterfrag deine Glaubenssätze. Im besten Fall probierst du ein Tragetuch (am besten unter professioneller Anleitung), einen Mei Tai/Halfbuckle und einen Fullbuckle aus (Bitte was fürn Cocktail?? Zum Trage-Glossar). Danach kannst du ganz gut einschätzen, welche Tragehilfe grundsätzlich zu dir passt. Und dann hast du immernoch die Qual der Wahl, von welchem Hersteller dein Tuch oder deine Fertigtrage schlussendlich sein soll.

Das Ergebnis einer solchen Testreihe ist manchmal überraschend. Und muss sich auch nicht unbedingt mit der Wahl der Menschen aus deinem Umfeld decken. Wichtig ist: die Tragehilfe muss dir bequem sein. Nicht deiner*m Partner*in, deiner Mutter oder deinem Bruder. Wie es sich für dich anfühlt, ist entscheidend.

Wenn du dich für ein Tragetuch entschieden hast, schau nochmal bei unseren 6 Tipps wie du die optimale Tragetuch-Länge findest.

5. Das Auge trägt mit

 Such dir eine Tragehilfe aus, die dir optisch wirklich gut gefällt. Möglicherweise wirst du die Trage deiner Wahl ziemlich häufig benutzen. Du solltest das Design also nicht schon nach zwei Wochen satt haben.

Das kann heißen, dass du dich unbedingt für die Regenbogen-Optik entscheiden musst, weil es einfach zu dir und deinem Kleidungsstil passt. Oder du wählst eine einfarbige, schlichte Trage, die für alle Anlässe geeignet ist und sich gut kombinieren lässt. Your choice!

6. Entspann dich

 Wie bei allen Themen rund ums Baby, wird es dir vermutlich auch beim Tragen ergehen: Viele Menschen werden dich mit ihren Fragen verunsichern:

  •  Kriegt das Kind überhaupt noch Luft?

  •  Werden da nicht die Beine abgeschnürt?

  •  Ist ein Tragetuch/eine Tragehilfe/xyz nicht viel besser für das Baby?

Vielleicht werden dir auch ergonomisch korrekte Fachbegriffe an den Kopf geschmissen und die Anhock-Spreiz-Haltung mit dem Winkelmesser nachgemessen.

Atme tief durch und lass dich nicht verunsichern. Du trägst dein Baby so, wie es zu dir passt! Euer Alltag ist das was zählt. Durch das Tragen hast du beide Hände frei und bist mobiler. Du beruhigst dein Baby durch deine Nähe und deine Bewegungen und schenkst ihm Geborgenheit. Was willst du mehr?

7. Hör auf deinen Körper

 Auch wenn deine Freundin ihr Baby tagtäglich mehrere Stunden trägt, heißt das nicht, dass du das auch musst! Auch wenn andere Eltern komplett auf den Kinderwagen verzichten, darfst du zugeben, wie praktisch der Wagen zum Einkaufen oder für lange Spaziergänge sein kann. Und wenn du schon nach kurzer Tragezeit Nacken- oder Rückenschmerzen bekommst, dann solltest du diese Zeichen nicht ignorieren.

Wenn du bisher noch nicht getragen hast, kommen deine Muskeln womöglich anfangs nicht so schnell mit der neuen Belastung klar. Wenn du Mutter bist, hast du außerdem gerade eine Geburt hinter dir, dein Körper ist noch weich und muss heilen und sich erholen.

8. Wenn es weh tut

 Wenn du Schmerzen hast, mach eine Pause.

Gib deinem Körper Zeit, sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Es kann hilfreich sein, wenn eine Trageberaterin über deine bisherige Bindeweise oder die Einstellungen deiner Fertigtrage schaut. Oftmals kann beides mit wenigen Handgriffen und unter professioneller Anleitung optimiert werden. Und plötzlich erscheint dir alles viel bequemer, wenn dein Kind enger und fester an dir dran sitzt. Oder wenn der Quergurt zum Beispiel nicht mehr auf den Halswirbel drückt.

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich mit dem Rückentragen zu beschäftigen. Wir Menschen sind einfach nicht dafür geschaffen, schwere Gewichte dauerhaft vor dem Bauch zu schleppen. Rückentragen wird dir ein völlig neues Trage-Gefühl verleihen. Hier findest du 5 Gründe, warum der Rücken ein perfekter Ort für dein Baby ist.

 

Tragen soll in erster Linie Spaß machen. Dir den Alltag erleichtern. Dir gut tun.

 

Wenn es dir Spaß macht, dich durch die ganzen Facebook-Gruppen zu lesen und alle Infos in dich einzusaugen, dann mach das. Wenn dich das nervt, überspring diesen Tipp einfach und buche gleich den Tragekurs.

Such dir aus allen Tipps die heraus, die zu dir passen. Und mit der Trage machst du es dann genauso.

 

Viel Spaß dabei!