Ich lass dann mal das Shampoo weg – ein Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht meiner lieben Schwester, die unabhängig von mir zu No Poo gekommen ist, bis wir uns zufällig über die aktuellsten Haarwaschmethoden unterhalten haben und jede der anderen sagen wollte: “Stell dir vor, was ich jetzt mache…”

Dieser Text wurde komplett von ihr erstellt, die Bilder habe ich gemacht.

Erfahrungsbericht

„Für die nächsten Wochen wasche ich meine Haar nur noch mit Wasser“ – mit genau diesem Vorsatz hat es für mich begonnen.
Dass das ganze ein Trend ist und in die Kategorie NoPoo genannt wird, habe ich erst später erfahren. Zum Glück. Denn ohne die zahlreichen Tipps und Inspirationen der wundervollen Facebook-Gruppe „Leben ohne Shampoo“ wäre es viel schwerer gewesen – vor allen der Anfang. Wer weiß denn auch schon, dass das anfangs absolut ekelhafte Gefühl in den Haaren vor allen Shampoo-Rest sind die sich über Jahre im Haar abgelagert haben und sehr hartnäckig sind? Nach der Tiefenreinigung war das Problem gelöst und der eigentliche Weg zu meinem NoPoo-Leben hat begonnen.

Warum kommt man überhaupt auf so eine Idee?

Shampoo gehört für die Meisten zum Alltag. Seit ich denken kann, wurden meine Haare damit gewaschen. Es ist ganz normal. Warum also nun was ändern?
Ich hatte sehr lange sehr schlimme Probleme mit meiner Kopfhaut. Ungefähr 3-4 Monate nachdem ich die Pille abgesetzt habe (das war im Dezember 2013, ja meine absolut nicht beweisfähige Intuition sieht da einen Zusammenhang) fing es an. Hauptsächlich an dem Haaransatz an der Stirn, über dem Ohr und am Hinterkopf in dieser Kuhle hatte ich Stellen, die ich mir blutig gekratzt habe und die sich verkrustet haben. Dann denkt man: “Kratz doch einfach nicht.” Naja, wenn man nachts aufwacht, weil es so juckt, ist es schwierig, immer die Selbstbeherrschung zu behalten. Wenn ich gekratzt habe, hat es sich noch mehr verkrustet, im schlimmsten Fall so, dass ich Schmerzen beim Nicken hatte (also in der besagten Kuhle am Hinterkopf), teilweise ist es dann auch aufgerissen. Mal war es schlimm, mal war es auch weg, aber als es quasi nicht mehr weg ging hat es mich im Sommer 2014 dann doch mal zum Hautarzt gezogen. Die Diagnose: Wahrscheinlich eine Schuppenflechte und ich bekam Cortison. Da ich absolut nicht der Typ bin, der schnell irgendwelche Medikamente nimmt, war es für mich vom ersten Tag an eine Qual, es zu nehmen. Aber wenn man verzweifelt genug ist, dann siegt der Wille, nicht mehr jeden Tag kratzen zu müssen.
Warum schreib ich dann Kopfhautprobleme und nicht Schuppenflechte? Bei solchen Dingen ist die Diagnose wohl nicht ganz so eindeutig, es wird vermutet, einen Abstrich hat man nie gemacht und wenn ich mir die Krankheitsverläufe von Menschen mit Schuppenflechte anschaue, dann hat es mich noch recht harmlos getroffen – deswegen will ich mich dem nicht ganz gleich setzen.
Nun ja, so vergeht die Zeit, aus Cortisongel (jeden morgen Haare waschen, weil sie sonst so fettig von dem Gel waren), wurde Cortisonschaum (ich denke, der war höher dosiert, man musste ihn viel seltener anwenden). Und schon waren ca. 1 ½ Jahre um, in denen ich so unregelmäßig wie möglich (was monatlich mindestens 2-3 mal bedeutete) versuchte, Cortison zu benutzen.
So war ich also im Kreislauf: Kratzen – Schuppen auswaschen, damit man raus gehen kann – hin und wieder Cortison auftragen, damit sich die Kopfhaut normalisiert.

Und was hat das jetzt mit NoPoo zu tun?

Zu der Zeit, habe ich fast täglich Haare gewaschen, ich wusste, dass es nicht so gut ist, aber länger als 3 Tage hab ich nicht ausgehalten. Gleichzeitig habe ich aber auch bemerkt, dass es meiner Kopfhaut nicht gut tat, ständig zu waschen. Aber bei den ganzen Schuppen hatte ich eben erst recht das Bedürfnis sie raus zu spülen.
Und dann kam Tag X. Irgendwann Mitte März 2016 – es war nach einer Stunde kratzen mal wieder besonders schlimm – hatte ich es besonders doll satt. Und dann eben der Vorsatz: „Alle überflüssigen Reize vermeiden“ – Sprich Shampoo weglassen.
Das sagt sich so leicht, ist aber mit den ganzen Shampoo-Rückständen im Haar und einem Wasserhärte von 18°dH (hartes Wasser = viel Kalk, was sich ablagern kann) gar nicht so leicht.
Ich bin dann dank meinem Schwesterherz auf die besagte Facebook-Gruppe „Leben ohne Shampoo“ gestoßen und habe dort viele Tipps und Anregungen bekommen ( von (Back-) Natronwäsche angefangen bis zum ordentlichen Ausbürsten und ganz viel mehr).
Und so habe ich nach 2 Natronwäschen (=Tiefenreinigung) und ein paar Apfelessig und Bananen-Honigkur Experimenten nur noch mit Wasser (auch WO= water only genannt) gewaschen.
Und dann war alles gut? Naja, noch nicht so ganz. Gefühlt wurde es mit jeder Woche besser, aber ich kann nicht sagen, ob dass mehr meine Hoffnung oder die Realität war.
Ich denke, dass Problem war immer noch, das ich häufig gewaschen habe. Da ich 3-4 mal die Woche Sport treibe, geht es ja eben auch nicht anders – das dachte ich anfangs zumindest.
Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass meine Haare quasi gar nicht fetten – nach diesem von der Gesellschaft festgelegten Standard des Aussehens brauche ich also gar nicht waschen.

Endlich Cortisonfrei

Da meine Haare wie erwähnt quasi gar nicht fetten hab ich im September 2016 das Experiment: „Ich wasche jetzt einfach so lange nicht mehr, bis meine Haare fetten“ gestartet.
Das ist doch jetzt aber super ekelhaft oder? Nein, überhaupt nicht. Weder für mich noch für meine Mitmenschen. Es bedeutet ja nicht, dass ich meine Haare nicht mehr pflege. Mit einer Wildschweinborstenbürste bürste ich fast täglich. Bürsten bedeutet dabei nicht, dass ich nur die Haare ordne, sondern, dass ich Haarschicht für Haarschicht mehrmals durch bürste. Dabei entfernt mein einerseits Staub, Hautschuppen und was sonst noch durch die Luft fliegt und in den Haaren landet und andererseits verteilt man dass Sebum (=Haarfett) der Haare vom Ansatz bis in die Spitzen. Außerdem unterstützt man so, dass an die gesamte Kopfhaut Sauerstoff kommt.

Seit ich die Anfangsphase überwunden haben (so 4-5 Wochen) fühle ich mich auch super wohl, ich hab gar nicht mehr das Bedürfnis zu waschen und die Haare sehen so viel gesünder und gepflegter aus, sodass ich sie ganz oft offen trage. So lüften die Haare auch immer aus. Ich kann euch also versichern : Die Haare riechen absolut neutral. Zu keinem Zeitpunkt habe ich gestunken, dass bilde ich mir nicht nur ein, nein, ich habe mir auch Feedback von meiner Umgebung geholt. Und mein Freund würde mir ziemlich deutlich zu verstehen geben, wenn ihn irgendetwas an meinen Haaren anekeln würde.

Anfangs habe ich so meine Waschabstände verlängert, dass ich so aller 2 Wochen gewaschen habe, dann nur noch, wenn ich in die Sauna gegangen bin (so ca. 1 mal im Monat).
Derzeit wasche ich meine Haare hin und wieder so aller 4-6 Wochen mit Wasser durch, immer wenn ich das Bedürfnis hab (zum Beispiel nach dem Osterfeuer, nach dem Paintball …).

Ja ich weiß, dass ist schon eine etwas spezielle Art von NoPoo, selbst unter NoPoo´lern manchmal etwas verrufen, aber völlig zu unrecht.

Man sollte manche Dinge einfach selbst mal ausprobieren, bevor man darüber urteilt (z.B. nach dem Sport die Haare trocknen lassen, ordentlich ausbürsten und auslüften lassen und feststellen, dass sie sich gut anfühlen).

Aber komm ich zum eigentlichen und für mich persönlich erfreulichsten Punkt: Seit Oktober 2016 bin ich cortisonfrei. Das ist jetzt also ca. ein Jahr – 12 Monate – 365 Tage in denen ich es nicht mehr anwenden musste. Als ich zum 1. Mai umgezogen bin, habe ich sogar endlich geschafft, meinen Cortisonschaum wegzuwerfen. Ich bin also endlich doppelt cortisonfrei – weder muss ich es anwenden, noch besitze ich welches!

Und jetzt ist alles super?

Alles super wäre übertrieben, ich habe hin und wieder noch ein wenig Probleme. Aber das Schlimmste ist meist so schlimm, wie es vor dem Umstieg war, wenn es abgeklungen war. Wenn ich merke, dass am Haaransatz ein paar Stellen kommen, geb ich Apfelessig drauf und nach ein paar Tagen ist es weg.
Als ich im April/Mai Masterarbeitsabgabe/-verteidigung, Umzug und Kehlkopfentzündung gleichzeitig hatte, da war es zum ersten Mal wieder so schlimm, dass es mich richtig genervt hat und ich wegen meiner Kopfhaut ziemlich unglücklich war. Aber das war eben auch eine extreme Stresssituation und nach einer Woche hatte ich es auch wieder halbwegs im Griff. Und da ich nicht so schnell vorhabe wieder umzuziehen, kann ich damit leben.

Mein Rat

Jetzt möchte ich noch einen Rat loswerden, gerade für Leute, die mit der Kopfhaut Probleme haben. Ich habe einen Weg für mich gefunden, hauptsächlich, weil ich genau auf meinen Körper geachtet habe – was bekommt ihm gut, was nicht. Welche Ernährung verschlimmert das ganze, welche Regelmäßigkeiten entdecke ich. Und genau das ist mein Rat. Der eigene Körper ist ein wunderbares komplexes System, der genau weiß, was ihm gut tut und was nicht. Achtet auf die Signale, die er einem gibt und gebt ihm die Chance, seine Natürlichkeit ausleben zu können. Und für mich zählt zur Natürlichkeit des Körpers, ihm so wenig Chemie zuzuführen wie es geht. Daher kann ich mir derzeit nicht vorstellen, jemals wieder Shampoo zu nutzen. Warum auch, warum sollte der Körper, der Jahrtausende ohne hingekommen ist, nach vielleicht 100 Jahren Shampoo davon abhängig sein?

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