Die Krutynia Route: Kanutour – Natur Pur

by Ann.

Nachdem mein Freund und ich die letzten Jahre oft kleinere Städtetrips unternommen haben, haben wir die Nase voll von großen Städten, die alle doch nur gleich aussehen und unglaublich voll sind.

Daher musste ein anderes Urlaubsziel her. Im letzten Jahr haben wir eine Tour durch Irland gemacht und sind dort sehr viel durch die Nationalparks gewandert. Und die Natur und Bewegung hat es uns angetan. Daher stand dieses Jahr auch wieder fest: Wir wollen einen Urlaub mit Bewegung in der Natur.

Eine Woche auf dem Wasser in der Natur

Warum Kanu?

Ursprünglich hatte ich mal die Idee, surfen zu lernen. Zwei Wochen im Wasser und Konzentration auf den Körper sind bestimmt wundervoll. Durch persönliche Umstände war es uns aber erst Anfang September (31.08.-10.09.2018)-möglich, Urlaub zu nehmen – damit war es für einen Surfurlaub schon zu kalt (naja, zumindest in der Theorie).
Wir kamen dann auf die Idee, eine Kanutour zu unternehmen. Ursprünglich haben wir zuerst an Schweden gedacht, aber Mitte September kann es da auch schon zu kalt sein und viele Schleusen haben wohl auch schon zu.
Daher haben wir uns für eine Kanu-Tour in Polen, in den Masuren, genauer gesagt für die Krutynia Route entschieden. Und die Natur ist so wundervoll, auf jeden Fall eine Reise wert. Für die Route von ca. 100 km haben wir 8 Tage angesetzt.

100 km Natur pur

Allgemeine Gedanken

Da wir im Internet kaum Informationen über die Route bzw. die Planung dafür (insbesondere auf Deutsch) gefunden haben, der Kanuurlaub aber so schön und inspirierend war, möchte ich sehr gerne meine Erlebnisse teilen. Allerdings wird der Artikel dann schon etwas länger. Daher möchte ich gerne im Vorfeld ein paar allgemeine Gedanken teilen. Wer sich zunächst für die Details des eigentlichen Urlaubs interessiert, der darf auch gerne zuerst nach unten scrollen.

Minimalismus

Wenn ich eins während der Zeit gelernt habe, dann, welche hohe Ansprüche ich unterbewusst habe und wie wenig ich brauche, um glücklich zu sein.

Was brauche ich?

Das ganze Gepäck, dass wir mitgenommene haben, musste während der Kanu-Tour in ein Kanu passen. Neben den notwendigen Sachen wie Handtücher, Anziehsachen und Waschtasche war nur wenig Platz für Spiele, Bücher und andere Luxusgüter. Auch der vierte Pullover und das dritte Paar Schuhe hatten keinen Platz. Was brauche ich wirklich und worauf kann ich verzichten? Was raubt mir am Ende doch eigentlich nur Zeit? Es war erstaunlich für mich zu sehen, wie wenig ich von dem, was ich ursprünglich eingepackt habe, wirklich brauchte.

Was für einen Lebens-Standard habe ich?

Abgesehen von den Gepäckbeschränkungen, haben wir meist in kleinen Hütten gewohnt. Zwei Betten, ein Gemeinschaftsbad und viel mehr bot die Unterkunft auch nicht. Wir waren eh den halben Tag unterwegs und den Rest draußen. Wozu also eine große Wohnung mit Pool und Sauna? Dennoch habe ich zu Beginn bemerkt, wie komisch ich es fand, dass die Möbel alt waren und ich (meist) kein eigenes Bad in den Häuser hatte.

Es hat mich dazu gebracht zu überdenken, welche Ansprüche ich (vielleicht nur unterbewusst) habe und welche davon begründet sind. Letztendlich hat mich das Abhandensein von so vielen Dingen entspannt und glücklich gemacht.

Natürlichkeit

Holzhütten, Wasser und der direkte Kontakt zur Natur haben mich während der Kanu-Tour als Teil des großen Ökosystems wahrnehmen lassen. Ich habe mich ein wenig wie ein Puzzelteil der Natur gefühlt – und es hat perfekt gepasst. Was ist all der Standard, den wir normalerweise haben, wert, wenn es sich nicht in unsere Umwelt einfügt?

Planung

Kanu mieten

Da Mitte September außerhalb der Saison ist, war die Planung relativ entspannt. Ein Kanu haben wir über AS-Tour (*unbezahlte Werbung*) im Vorfeld gebucht. Dort haben wir uns (oder eher mein Freund, ich hatte keine Ahnung) für die Luxus-Ausführung eines 2er Paddelboot PRIJON Excursion entschieden. Im Übrigen hat die Mitarbeiterin, die uns betreut hat, auch Deutsch gesprochen.

Unterkünfte auswählen

Die ersten vier Unterkünfte haben wir vorher schon gebucht. Da wir nicht wussten, wie das Wetter wird, haben wir die restlichen Unterkünfte vor Ort gebucht – außerhalb der Saison kein Problem.

Auf der Strecke gibt es die PTTK-Campinganlagen. Dort kann man zelten oder sich kleine Hütten buchen – dazu nachher mehr.
Manche Hütten konnte man über das Internet buchen, die anderen konnten wir nur telefonisch reservieren. Mein Freund ist des Polnischen mächtig, damit war das kein Problem. Aber allen, die wir begegnet sind, sind sehr freundlich und ich denke, wenn der Wille da ist, schafft man das auch mit Deutsch oder Englisch.

In den folgenden Städten haben wir halt auf der Tour halt gemacht und übernachtet: Bieńki, Babięta, Spzchowo, Zgon, Krutyn, Ukta, Galindów.

Die An- und Abreise

Da wir plötzlich erschrocken festgestellt haben, dass die Entfernung von uns bis zum Start ca. 1000km sind, haben wir die An- und Abreise auf zwei Tage aufgeteilt – das ist wohl auch die einzige Umweltsünde der Tour. Aber das kann ich mit mir vereinbaren. Ganz ohne Verkehrsmittel Urlaub machen, ist wohl auch utopisch. Daher haben wir uns sowohl für die An- und Abreise eine Unterkunft kurz hinter Frankfurt (Oder) auf polnischer Seite gebucht.

Ein kleiner Tipp zu den polnischen Straßen:

Im Übrigen sollte man die Straßen in Polen, die nicht Autobahnen sind, nicht überschätzen – für die letzten 300 km haben wir bestimmt 5 Stunden gebraucht.

Die Autobahnen kosten meist Geld – mal mehr und mal weniger, dafür fährt es sich dort ganz ohne Baustelle mit wenig Verkehr sehr entspannt. Gezahlt wird an kleinen Stationen in polnischer Währung. Hinter der Grenze also unbedingt Geld wechseln. Wenn ich mich recht entsinne, haben wir für die Hinfahrt ca. 30-40 € gezahlt, die Rückfahrt war erstaunlicher Weise günstiger.

Anmerkung meines Freundes: So viele Autobahnen gibt es aber gar nicht.

Packen

Viel mehr Planung war für die Kanu-Tour auch gar nicht notwendig. Ok, das Packen. Wenig Platz, viele Dinge die man mitnehmen möchte, am Ende natürlich viel zu viel. Da konnte ich mich mal in Minimalismus üben und ich habe bemerkt, wie wenig ich wirklich brauche.

Tipp: Was man unbedingt einpacken sollte

Becher, Besteck, Teebeutel und ein paar Dosen einpacken, man wird alles während der Kanu-Tour brauchen und froh sein, es dabei zu haben. Auch eine Taschenlampe hilft, im Dunkeln die Toiletten zu finden, ohne sich die Beine zu brechen.

Des Weiteren habe ich auf Sonnencreme und Sonnen-Cappy bestanden und es keine Sekunde bereut. Wenn man 2-4 Stunden auf dem Wasser in der Sonne paddelt, muss man auf seine Gesundheit einfach achten!

Außerdem habe ich noch meine Trainingshandschuhe eingepackt. Mein Freund hat sie nicht benötigt, ich aber schon. Anfangs habe ich sie nicht benutzt und damit auch direkt Blasen bekommen. Ohne die Handschuhe hätte ich ab Tag 2 nicht mehr paddeln gekonnt – mit war es kein Problem.

Wasser. Man muss kein Wasser mitnehmen. In allen Unterkünften konnten wir ausreichend Wasser kaufen oder aber es gab einen Laden. Aber bitte am Abend/Morgen nicht vergessen, ausreichend Wasser einzupacken, sonst wird es in der Sonne ungesund.

Das Kanu

Ein Kanu mit Steuer

Das Kanu PRIJONExcursion hat ein Vorteil – es hat ein Steuer. Und wenn man vorher soviel Ahnung vom Paddeln hat wie ich (also keine) ist das absolut lohnenswert. Gerade wenn man durch krautige, engere Passagen muss oder einfach mal schnell Paddeln möchte, war es für mich entspannend, mich nie um die Lenkung kümmern zu müssen (außer man muss sehr schnell eine sehr scharfe Kurve fahren).

Unser Kanu

Stauraum

Das Kanu hat außerdem in der Mitte einen Lukendeckel. Dort kann man griffbereit und wasserdicht Handys, Geldbörse und Karten verstauen. Im Verlauf der Tour habe ich das als absoluten Vorteil empfunden.

Auch der Stauraum, den das Boot vorne und hinten bietet ist vergleichsweise komfortabel und ebenfalls zum Teil wasserdicht. Kostenpunkt für 8 Tage: ca 108€.
Sicher geht es auch günstiger, aber für 8 Tage kann ich es nur empfehlen ein paar Euro mehr in ein gutes Kanu zu investieren, schließlich will man das Paddeln ja auch genießen.

Zubehör

Im Übrigen gibt es auch Schwimmwesten dazu. Spritzdecken haben wir nicht genommen. Das war vielleicht ein wenig naiv – wir hatten Glück und keinen Regen, aber beim nächsten Mal würde ich eher dazu tendieren, vorsichtshalber welche mitzunehmen. Ist einmal alles richtig nass, ist das sicher sehr ungemütlich.

Wir haben außerdem drei wasserdichte Säcke ausgeliehen (ca. 24 €+ Kaution). Und ja, wir dachten es passen locker 5-6 Säcke in das Kanu rein. Nein, mehr als drei haben dort kein Platz: Einer hinten im Fach, einer in der Mitte des Bootes und einer vorne zwischen den Füßen. Vorn in das Fach haben wir dann noch alles gepackt, was sonst so anfiel: Griffbereite Jacken, Schuhe und Waschtaschen. Trinkflaschen hatten so noch im Kanu platz.

Ein kleiner Tipp zum Paddeln

Die ersten zwei Tage war es für mich noch schwierig, die richtige Technik zum Paddeln zu lernen. Dann ging es langsam. Mein Freund konnte es glücklicherweise und hat es mir immer und immer wieder erklärt. Wenn ihr eine Kanu-Tour machen wollt: Informiert euch vorher, wie man richtig paddelt. Es geht so viel einfacher, man ist schneller und die Bewegungen tun gut.

Zu Beginn tat mir das Strecken in der linken Schulter weh und ich konnte den linken Arm nicht mal richtig Strecken. Nach ein paar Tagen hat sich die Schulter dafür so frei wie schon lange nicht mehr angefühlt. Das sind wohl die kleinen Leiden des Schreibtisch geplagten Körpers.

Die Meisten, die wir gesehen haben, haben den Arm nicht richtig gestreckt. Ich glaube kaum, dass das auf Dauer so gesund ist. Und es macht einfach weniger Spaß, wenn man kaum von der Stelle kommt. 😉

Immer den Arm schön strecken

Die Tour

Los gehts Tag 1: Bienki (ca. 16 km)

Start

Als wir in Krutyń angekommen waren haben wir zunächst die ganzen Formalitäten geklärt.

Anmerkung meines Freundes: Das Auto konnten wir dort übrigens überwacht parken, es war am Ende der Tour also noch da ;-).

Dann wurden wir mit dem Kanu zu unseren Startort Sorkwity gebracht. (Der Transport zum Start und vom Ziel kostet noch einmal zusammen ca. 39 €.) Dort haben wir uns noch einmal eine Karte (inkl. Wegbeschreibung) gekauft. Man weiß ja nie. Und im Verlauf der Tour fand ich es wirklich angenehm, jederzeit eine Karte griffbereit zu haben. Dort gab es eine Wegbeschreibung (auch auf deutsch und englisch) und ich fand es sehr entspannend, auf kein Handy, Internet und GPS-Signal angewiesen zu sein.

Die Kanu-Tour beginnt in Sorkwity

Auf dem Wasser

Und dann ging es endlich los. Es war schon ein wenig seltsam, plötzlich ganz allein, in einem Kanu zu sitzen und mitten durch den großen Lampackie-See zu fahren.

Der See und die Aussicht vom Kanu aus waren sehr schön. Es hat Spaß gemacht und wir waren sehr motiviert. Nachdem wir den Lampackie-See durchquert haben, kamen wir in den Lampsaz-See. Von dort in das kleine Flüsschen Sobiepanka.

Und ab da war unsere gute Laune zunächst einmal weg.
Der Fluss hatte einen niedrigen Wasserstand und wir mussten fast die gesamte Strecke laufen (das Kanu ist glücklicherweise ohne uns leicht genug gewesen und selbst geschwommen).
Es kam uns ewig vor und wir hatten die im Nachhinein unnötige Angst, dass durch den heißen Sommer die nächsten 100 km nur so aussehen.
Ein Glück hatten wir beide unsere Leguanos (*unbezahlte Werbung*) an – es stelle sich heraus, dass die sehr praktisch sind, um im Wasser damit zu laufen. Barfuß ist bei scharfen Steinen und Muscheln auf Dauer nicht so schön. Zugegeben, es waren am Ende nur ca. 1.5 km, aber es hat sich unglaublich lang angefühlt.

Über weitere verschiedene Seen kamen wir schließlich in den Białe-See und damit zu unserer ersten Station: Stanica Wodna PTTK Bieńki.

Die Unterkunft

Wir haben uns auf unsere kleine Hütte gefreut und wurden sofort erst einmal sehr geerdet. Die Hütten, gerade auf dem ersten Teil der Strecke, wurden in den 60er Jahren gebaut und seitdem wurde da auch nicht mehr viel gemacht.
Die Betten in der Hütte waren – naja eben alt. Mit einer Länge von 1,90 m waren diese außerdem recht kurz, die Matratzen durch gelegen und die Möbel gaben einem das Gefühl, in der Vergangenheit zu sein. Es war alles ordentlich, aber ich bin auch ein sehr sauberer Mensch – Luft nach oben war definitiv.
Wir haben in der oberen Etage geschlafen, da war es weniger staubig. Der Efeu vor dem Fenster hatte schon seinen Scharm. Mir ist aber erst einmal bewusst geworden, was für einen Standard wir gewohnt sind. Zum Schlafen reicht es, aber im ersten Moment haben wir, wenn ich ganz ehrlich bin, beide gedacht – “Wo sind wir hier nur gelandet?”.
Auf Nachfrage haben wir dann auch (kostenlos) Bettwäsche bekommen.

Warmes Wasser gab es erst am 19 Uhr, ein Geschäft zum Einkaufen war nicht in Fußnähe erreichbar.
Wir mussten also da zu Abend essen und uns dort mit Wasser eindecken.
Beides ist aber nicht teuer. Allerdings sollte man genügend polnisches Geld zum Zahlem dabei haben.

Nunja, immerhin hat mitten im Nirgendwo das Internet fast immer recht gut funktioniert. Obwohl wir es außer zum Unterkünfte buchen kaum genutzt haben. Ich hatte auch kein Bedürfnis danach, es zu nutzen.

Das Essen hat dann alles wieder geändert. Wir waren gar nicht begeistert, dort essen zu “müssen”, aber uns blieb keine andere Wahl. Aber es war selbst gekochte polnische Hausmannskost und richtig gut. Das Highlight war der Apfelkuchen. Und wenn ich das Essen hier hervorhebe, dann nur, weil es wirklich, egal wo wir an der Strecke waren und wie weit weg von der Zivilisation, immer sehr gut war.

Ein kleiner Tipp zum Frühstück

Polnisches Frühstück bedeutet herzhaft, es gab also meist Brot, Wurt, Käse und Rührei. Auf Nachfrage haben wir manchmal auch süßes (Nalesniki) oder vegetarisches Frühstück bekommen.

Die Nacht haben wir dann auch überstanden und dann gings auch weiter.

Tag 2: Babieta (ca. 10 km)

Weiter gings mit unserem Kanu am nächsten Tag und hat es auch angefangen Spaß zu machen. Die Natur zu sehen und die Ruhe zu genießen, war so unglaublich schön.
Wir haben sogar einen Eisvogel einmal kurz gesehen – leider das einzige Mal auf der Tour. Auch die Enten, Schwäne und Libellen waren so schön anzusehen. Ja, man sieht Enten ständig, aber in so freier Natur und in ihrem natürlichen Lebensraum dann doch nicht.
Und die Graureiher – der Anblick hat mich die ganze Tour über immer wieder begeistert.

Langsam wurde auch das Paddeln besser und die gleichmäßige Bewegung hat sich sehr gut angefühlt.

Und es war viel zu kurz. Wir waren schon nach ca. 2 – 2 1/2 Stunden an unserem Tagesziel Babięta gewesen. Dort angekommen stellten wir uns der Realität und betraten unsere Hütte. Die Unterkunft war – trotz Luxusvariante (mit eigener Dusche) genauso, nun ja, ausreichend, wie die davor. Ok, auf dem Boden in der Hütte auf dem Holz sind seltsame Pilze gewachsen, aber sonst war es schon in Ordnung. Es gab diesmal auch ein kleines Sofa.

Zum Abend gab es sehr leckeren Fisch und wir kamen mit zwei älteren Herren ins Gespräch. Sie haben uns auch verraten, dass die Hütten in den 60er Jahren gebaut wurden.

Es gab auf der Anlage auch eine kleine Kochstelle – dort konnten wir uns Tee kochen. Tassen und Teebeutel hatten wir dabei.

Die restliche Zeit haben wir mit Spaziergängen, Sonnenblumenkerne essen (in Polen sehr verbreitet), Lesen und Spielen verbracht. Und nach dem Tag an der frischen Luft mit viel Bewegung konnten wir dann super einschlafen.

Tag 3: Spychowo (ca. 13 km)

Von Babięta ging es dann weiter nach Spychowo.

Auf dem Wasser

Nach ca. 500 m Meter muss man das Boot ca. 60 m zum Ersten mal umtragen. Also Kanu ausräumen, über die Straße tragen, einräumen und weiter gehts. Da man das Boot nur wenige Male umtragen muss, ist das nicht weiter schlimm. Meist war auch irgendwer in der Nähe, der sofort seine Hilfe angeboten hat. Als Frau darf man ja auf keinen Fall schwer tragen 😉 Aber fürs Protokoll: Für mich war weder das Tragen noch das Gewicht ein Problem. Nach ca. 11 km musste das Kanu noch einmal umtragen werden.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr einem plötzlich auf die Dinge auf fallen, an denen man sonst vorbei geht. Überall am Ufer wachsen Seerosen. Ständig hat einer von uns gesagt: “Schau da, eine Libelle”, “Dort, siehst du den Frosch” oder “der Baum sieht aber alt aus”. Nach dem trockenen Sommer, war es auch so schön, überall das Grün in den verschiedensten Noacen zu sehen.

Die Unterkunft

In Spychowo war die Anlage sehr schön. Wir hatten uns diesmal für die Mini-Variante der Hütte entschieden: Zwei Betten, ca 50 cm Platz für die Sachen am Bettende, 50 cm zwischen den Betten, das wars und das reicht. Wir waren die Einzigen in den kleinen Hütten und es war wunderbar ruhig. In der Saison ist da wohl aber sehr viel los und wer Ruhe haben möchte, sollte sich was anderes suchen.

Lagerfeuer

Es gab auch einen Kletterpark – wir haben ihn aber nicht genutzt. Stattdessen haben wir unsere Abendbeschäftigung geplant – ein Lagerfeuer.
Nachdem wir unser Interesse an der Rezeption gezeigt haben, wurde uns versprochen, dass es gegen 19 Uhr an der Feuerstelle ein Feuer geben wird. Ich weiß gar nicht mehr, wie viel es gekostet hat, aber es war schon in Ordnung.

Anmerkung meines Freundes: Das Holz hat umgerechnet 10 € gekostet.

Dann sind wir ins Dorf gegangen und haben uns Würstchen, Gemüse und Brötchen gekauft. Auch ein paar Lange Stöcke wurden gesammelt und gespitzt.

Die Unterkunft hat uns dann auch irgendwann, auf nochmalige Nachfrage, Holz gebracht. Das wars aber auch. Das am Ende daraus auch ein Feuer wurde, darum mussten wir uns selbst kümmern.

Als das Feuer dann endlich brannte, hatten wir aber einen wundervollen Abend und leckeres Abendbrot.

Tag 4: Zgon (ca. 11.5 km)

Weiter ging es am nächsten Tag nach Zgon. Wir hatten uns heute in den Kopf gesetzt, kurz zu baden. Das Wetter war so schön und sonnig, nur eben genau heute nicht. Aber wir haben uns trotzdem in den Kierwik-See gewagt (schwimmen erlaubt) und die ordentliche Abkühlung genossen. Ansonsten: rechts, links, rechts, links …

Natur zum Genießen

Die Unterkunft

In Zgon angekommen gab es endlich wieder richtigen Kaffee und auch ein paar Nalesniki. Ein kleiner Spaziergang und das abendliche Einkaufen (Obst, Gemüse, Wasser …) durften nicht fehlen.

Kleiner Anmerkung zum Kaffee: Polnischer Kaffee bedeutet in der Regel Kaffeepulver und Wasser drüber. Als wir Cappuccino bestellt haben, haben wir am Anfang der Route Cappuccino-Instant-Pulver mit heißem Wasser bekommen.

Die Unterkunft war diesmal leider an einer recht befahrenen Straße, nach so viel Ruhe war das doppelt störend. Dafür hatten wir diesmal ein Zimmer mit einer schönen Dusche und auch das Bett war zur Abwechlung richtig gut. Da ich mittlerweile eh immer Ohropacks bei Reisen dabei habe, hat der Lärm nicht zu sehr beim Schlafen gestört.

Tag 5: Krutyn (ca. 12.5 km)

Langsam hatten wir uns an die morgentliche Routine gewöhnt und sie hatte etwas sehr beruhigendes: Aufstehen, Frühstücken, Zähneputzen, Sachen in den Säcken verstauen, Kanu einräumen, Schlüssel abgegeben, Paddeln.

Auf dem Wasser

Weiter ging es nach Krutyn. Heute war es etwas kühler und stürmischer. Ich hatte zunächst ein mulmiges Gefühl. Nachdem das Kanu aber nach den ersten kleinen Wellen nicht gekippt ist, habe ich etwas Vertrauen gefasst. Und gegen die Wellen mit etwas mehr Kraft und Ausdauer anzupaddeln hat dann auch ziemlich Spaß gemacht.

Immer im 90° Winkel in eine Welle fahren

Nachdem wir den Mokre-See überquert hatten, musste das Kanu erneut umgetragen werden. Diesmal war die Übertragestelle aber so gebaut, dass man es auch drüber ziehen konnte. Und dann begann eigentlich erst der See und später der Fluss Krutynia – der unserer Route den Namen gibt.

Und der Streckenabschnitt zwischen Beginn des Sees Krutynia bis zur Stadt Krutynia war definitiv der Schönste der ganzen Strecke. Nachdem wir dort gestartet sind, haben wir jegliche Paddelaktivität zunächst einmal eingestellt und einfach die Ruhe genossen – absolute Stille. Überall waren Graureier und die Natur des Naturschutzgebietes Krutynia war atemberaubend anzusehen. Die Natur war unbelassen, die Bäume durften wachsen und fallen wie sie wollten.

Unveränderte Natur wo wir auch hinschauen

Die leichte Strömung lies das Boot auch ohne Aufwand treiben. Aber auch hier haben wir uns sagen lassen, dass es in der Saison unglaublich voll ist und hunderte von Kanus auf dem Wasser sind. Ab Krutyń beginnen auch viele Tagestouren, Touristenstrecken und Gondelfahrten. Bis wir in Krutyń waren, haben wir aber noch die verbleibende Ruhe und Macht der Natur genossen.

Die Unterkunft

In Krutyń haben wir diesemal nicht in den Hütten geschlafen, die waren auch mit Schuklassen belegt. Stattdessen haben wir uns ein “richtiges” Zimmer in der Gosciniec Krutynski (*unbezahlte Werbung*) gegönnt. Nach kurzer Verwirrung haben wir mitbekommen, dass die Unterkunft nicht direkt am Fluss ist. Allerdings haben wir die Vermieter angerufen und Sie haben uns sehr freundlich mit dem Auto abgeholt und am nächsten Tag wieder zu unserem Kanu gebracht. Wir waren die einzigen Gäste und hatten damit das ganze Haus für uns allein.

In Krutyń stand auch unser Auto geparkt. Wir haben also die Möglichkeit genutzt und sind einmal dort hin und haben die Sachen gewechselt. Somit konnten wir zum Beispiel Wäsche und Handtücher einmal wechseln. Das war super.

Tag 6: Ukta (ca. 13.5 km)

Von Krutyn sind wir recht zeitig gestartet, um vor den Klassenausflügen auf dem Wasser zu sein. Ab hier wurde der Fluss auch voller, aber es war noch ruhig genug. Die Natur war trotzdem wunderschön – aber nicht mehr so atemberaubend wie am Tag zuvor. Die Unterkunft kam mal wieder viel zu schnell. Wir hätten locker noch ein paar Kilometer mehr am Tag geschafft.

Nach ein paar Kilometern musste man das Kanu noch einmal umtragen – diesmal etwas weiter. Allerdings waren hier auch Männer, die einem auf Wunsch mit einem entsprechenden Wagen und gegen ein kleines Entgelt geholfen haben.

Die Unterkunft

In Utka hatten wir wieder eine kleine Hütte gemietet. Dort war auch eine Schulklasse – zu Beginn des Schuljahrs wohl eine Integrationsmaßname für neue Klassen. Mit denen haben wir dann Volleyball gespielt. Das hat mal wieder Spaß gemacht. Und zu Fragen, ob wir mitspielen dürfen war eine kleiner zusätzliche Challenge ;-).

Die Hütten werden moderner

Am Abend saßen wir dann mit einer Gruppe von polnischen Freunden zusammen, die schon mehrere Jahre Kanutouren unternehmen und der wir ab Babieta immer wieder begegnet sind. Wir konnten gar nicht so schnell schauen, da hatten die uns Schnitzel mit Kartoffeln und Krautsalat ausgegeben – sie meinten wohl wir hätten noch nicht ordentlich gegessen. So viel Gastfreundschaft habe ich zuvor noch nie erlebt. Ich war auch jede Sekunde über meine 3 Semester Polnischunterricht froh, ich konnte damit den Gesrächen halbwegs folgen und mich somit auch ein klein wenig an den Gesprächen beteiligen.

In der Nacht sind wir dann einem Fuchs begegnet. Der war wohl auf der Suche nach Essensresten. Das war das erste Mal, dass ich einen Fuchs in seiner natürlichen Umgebung gesehen habe. Eigentlich traurig.

Tag 7: Galindow (ca. 16 km)

Ab hier war die Strecke leider nicht mehr ganz so schön. Der Fluss war oft verkrautet. Das Düngen der Felder hat wohl seine Spuren hinterlassen. Es war jetzt nicht nicht schön, aber eben nicht mehr so schön wie der Beginn der Strecke.

Am siebten Tag haben wir uns eine Nacht in der Anlage Galindow auf der Halbinsel Bartlewo gegönnt (*unbezahlte Werbung*). Das lag unter Anderem auch daran, dass die PTTK Anlagen dazwischen schon geschlossen bzw. nur für zwei Nächte buchbar nicht in Frage kamen.
Galindia ist eine Anlage, die das Leben der damaligen Ureinwohner nachstellen soll. Die Anlage ist ganz hübsch, für 82€ die Nacht (inkl. Frühstück) aber nicht ganz günstig. Und ja, es war ein schönes Erlebnis, ich würde es aber nicht wiederholen. Alles war sehr auf Touristen ausgelegt. Die Zimmer waren ok, aber auch nichts besonderes. Und von unserem Zimmer haben wir den Krach eines Fernsehers gehört, der den ganzen Tag ein Video über die Galindier zeigte. Da habe ich unsere minimalistischen Hütten doch mehr ins Herz geschlossen. Für 13-30€ (Zum Teil mit Frühstück) waren die vom Preis-Leistungs-Verhältnis für mich auch besser.

Tag 8: Ruciane-Nida – Krutyn (ca. 14 km)

Schneller als wir wollten und es mitbekamen war schon der letzte Tag gekommen. Wir musste nur noch den See Beldany durchqueren um zu unserem Ziel zu gelangen. Und der letzte Teil der Strecke hat nur Spaß gemacht, weil wir nochmal ausgetestet haben, wie schnell wir mit dem Kanu sind. Das Problem ist, dass der See für Segelboote, kleine Motorboote und andere Schiffe frei gegeben ist. Kommt ein Motorboot rücksichtslos und zu schnell an einem vorbei, dann kommt kurz später eine Welle des verdrängten Wasser und wir mussten die ganze Zeit aufpassen, in diese im Lot einzufahren, damit das Kanu nicht noch kippt oder mit Wasser zugeschüttet wird. Das Ufer war schön, aber es war eben nicht mehr diese unberührte Natur.

Im Hafen von Ruciane-Nida angekommen haben wir dann wieder einen Kaffee getrunken und auf unseren Abholdienst gewartet. Ein wenig schwermütig wurde das Herz auch – es kann doch nicht wirklich schon vorbei sein…

Am Ziel angekommen: Im Hafen von Ruciane-Nida

Krutyń

Zurück in Krutyń haben wir noch gegessen und auf dem Markt etwas Geschirr und Körbe für den Umweltfreundlichen Einkauf gekauft. Und dann – circa eine Stunde nachdem wir unser Kanu abgegeben haben – ging ein Wolkenbruch los. Es regnete aus Strömen und hörte und hörte nicht auf. Schon der kurze Weg zum Auto hat uns völlig durchnässt. Wie viel Glück wir hatten, dass es die gesamte Tour kein einziges Mal geregent hat. Aber was hätten wir bei solch einem Regen nur ohne Spritzdecken gemacht?

Gedanken zum Schluss

Und dann sind wir die 2-tägige Heimreise mit einem glücklichen zufriedenen Körper, Geist und Herz angetreten. Gleichzeitig waren wir aber auch sehr traurig, wieder zurück in die Zivilisation zu müssen, in den sitzenden Alltag, fern von der Natur im ursprünglichen Sinne. Wo ist der Bezug zur Natur noch geblieben? Es ist so traurig, den zu vergessen. Die Stille wieder mit Autolärm und hektischem Gequassel einzutauschen war auch nicht das, worauf wir uns gefreut haben. Aber am Ende wollten wir einfach diese wundervolle Erfahrung im Gedächtnis behalten. Ich kann jedem nur eine Kanutour empfehlen. Es ist so eine schöne Möglichkeit umweltfreundlich in die echte Natur einzudringen. Es wird sicher nicht unsere letzte Tour gewesen sein.

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