Über den Zwang absolut sein zu müssen

Nur eine Modeerscheinung?

Ja, ich behaupte, dass ich einen „grünen Lifestyle“ lebe. Doch was genau heißt das jetzt? Vegetarier, Veganer, Selbstversorger, nur im Biomarkt einkaufen gehen, nur hochwertige Fairtrade-Kleidung shoppen?
Nein, das schaffe ich (leider?) (noch?) nicht. Und nicht jedes dieser Merkmal erstrebe ich.

Aber wie kann ich dann einen Blog über den Nachhaltigkeit führen? Das ist doch dann alles nur eine Modeerscheinung, der ich folge… Ich bin der Meinung, dass die Einstellungen den Lebensweg grün färbt. Diese Reise bedeutet für mich nicht, die ganze Zeit auf alles verzichten zu müssen und ich kann es nicht ausstehen, in eine Schublade gesteckt zu werden. Ich versuche, bewusst zu leben, mich auf natürliche Dinge zurück zu besinnen, so wenig Chemie wie möglich zu verwenden und auf die Umwelt zu achten.

Aber es stimmt. Ich habe mir bis vor ein paar Jahren keine Gedanken darüber gemacht. Auslöser für die Auseinandersetzung damit war der plötzliche Krebstod meiner immer gesunden Oma, die weder geraucht noch übermäßig getrunken hat oder so etwas. Die einfach so starb. Das hat mich extrem erschüttert. Wie kann jemand, der in meinen Augen keine Risikofaktoren für Krebs hatte, einfach so daran erkranken? Ich fing an, mich mit den Hintergründen zu beschäftigen und zu recherchieren. Ich entdeckt ziemlich schnell viele weitere Risikofaktoren. So viele, dass ich sofort durch mein Bad ging und so ziemlich alles wegschmiss – Schminke, Deo, Duschbad… Die Gründe dafür habe ich in diesem Artikel erläutert.

Ihr habt also gelesen, für mich war und ist die Umstellung ein Prozess, ausgelöst durch ein ziemlich persönliches und einschneidendes Ereignis und keine Modeerscheinung.

Zu wenig?

Vielleicht ist das einigen der Leser hier zu wenig. Ich lese viele Blogs, in denen das Theme „grüner Lifestyle“ viel krasser und vielleicht auch intensiver gelebt wird. Eher als Passion, als absolut. Das finde ich zum einen natürlich toll, weil das Ziel, das wir haben ja das selbe ist: Bewusst zu leben. Zum anderen möchte ich mich durch meinen Lebenswandel aber nicht so sehr von anderen abgrenzen. Ich möchte das in meinen Alltag integrieren und befinde mich auch noch selbst auf einer Entdeckungsreise. Bemerke ich etwas Neues, dann probiere ich das aus, entscheide, ob es zu mir passt oder nicht und ändere meine Einstellung und meinen Lebensstil dann.

Alles ist im Fluss

Mein Weg zur Besinnung begann 2013, das sind gerade einmal vier Jahre. Vier Jahre, in denen ich von der Fast-Food-Esserin zur Bewusst-Kocherin wurde, vom DM-Junkie zur Ökotante, in denen ich meine Haare anders pflege als „normale“ Menschen es tun, in denen ich mich damit auseinandersetze, welche Wirkung Produkte auf mich und meine Umwelt haben.
2014 dann wurde ich Mama. Ein einschneidendes Erlebnis natürlich. (Wie für alle Mamas…) Nun hatte ich nicht mehr nur für mich zu entscheiden, sondern für dieses kleine Wesen. Am liebsten hätte ich meinen Sohn in Watte gepackt, ihn von allen Umwelteinflüssen ferngehalten und ihn für immer ins Tragetuch gewickelt und an mir getragen. Aber das geht natürlich nicht. (Leider – sie werden zu schnell groß die kleinen Babys…) und so musste ich zusammen mit meinem Mann immer abwägen, was ist uns wichtig. So achteten wir peinlichst genau darauf, dass er im ersten Lebensjahr kein Zucker bekam. Auch war der Bindungsaufbau eines der wichtigsten Themen – sprich Tragen, Familienbett und Co. Dadurch bekam ich Kontakt zu vielen anderen „Ökomamas“ in Leipzig, durch die sich mir völlig neue Welten eröffneten. Es gab so viele Dinge, die ich nicht wusste (Stoffwindeln, Baby led weaning…) und so viele unterschiedliche, krasse Meinungen und Konzepte, mit denen ich in Berührung kam. Nicht hinter allen stehe ich aber durch die Auseinandersetzung damit, entwickelte ich mich weiter, entwickelte sich meine Familie weiter. Mir war immer wichtig, dass wir diese Schritte gemeinsam machen, denn meine Familie geht mir über alles!

Nun blogge ich seit etwa einem halben Jahr. Parallel dazu habe ich mich erst jetzt bewusst zu dem Schritt Fair Fashion entschieden. Ein Thema, das ich vorher eher verdrängt habe.
Hätte mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich einst diesen Weg einschlagen werde, ich hätte ihm wohl den Vogel gezeigt. Ich wollte immer lieber angepasst sein, mit dem Mainstream mitschwimmen. Aber das war einmal… nun mache ich mir Gedanken darüber, was ich konsumiere. Wie ist es hergestellt? Welche Stoffe sind enthalten? Brauche ich es? Fragen, die ich nun VORHER stelle. Ich weiß nicht, wie die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren sein wird. Werde ich auch irgendwann so krass sein, wie die eingangs beschrieben Beispiele?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Was ich aber weiß ist, dass es mich nervt, mich erklären zu müssen. Warum ich das eine oder andere nicht mache, warum ich nicht vegan lebe, auswandern möchte, mich selbst versorgen möchte, mein Kind in die KiTa gebe…
Das ist MEIN Weg, der Weg meiner Familie, so bin ICH.
Und ich wünsche mir, dass dieser Weg neben all den anderen akzeptiert wird. Keiner muss ihn teilen oder genau das tun, was ich tue. Ich respektiere Menschen, die noch mit viel mehr Ernst am Thema „Nachhaltigkeit“ arbeiten und toleriere auch diese, die sich (noch) nicht mit dem Thema beschäftigt haben, denn es ist DEREN Weg.
Kein Mensch ist absolut.
Kein Mensch ist perfekt.
Jeder Mensch gibt sein Bestes.

Über den Zwang absolut sein zu müssen
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3 Gedanken zu „Über den Zwang absolut sein zu müssen

  • Pingback: Liebster Award 2017 ⋆ Zufallsmoment

  • 30. September 2017 um 9:27
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    Es gibt einen schönen Spruch: “Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.” Wenn jeder von uns ein wenig über seinen Konsum nachdenkt und etwas ändert, kann man schon viel bewegen. Natürlich ist keiner perfekt und keiner lebt rund um die Uhr nachhaltig. Aber ein Anfang ist gemacht und man sollte einfach dran bleiben.

    LG Michaela

    Antworten
    • 2. Oktober 2017 um 15:21
      Permalink

      Das ist ein wunderschöner Spruch. Ich denke, die größten Zwänge sind auch in einem selbst. Ich kann da manchmal auch meinen eigenen Ansprüchen gar nicht gerecht werden. Dran bleiben lohnt sich aber auf jeden Fall! Dankeschön!

      Antworten

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