No Poo – Der Start: Tiefenreinigung und Co.

Weiter geht es mit meiner Blogreihe rund um das Thema „No Poo“. In diesem Artikel habe ich einen Überblick über die Arten und Möglichkeiten von No Poo gegeben. Du hast dich als erstes für eine spezielle Art von No Poo entschieden und vielleicht auch schon die Wahl der für dich richtigen Bürste getroffen und möchtest nun voll motiviert starten, weißt aber nicht wie?
Dann soll dir dieser Blogbeitrag einen ersten Überblick geben.

1. Möglichkeit: Tiefenreinigung mit Natron

Zu Beginn empfehle ich, erst einmal sämtliche Silikone und andere Produkte herunter zu waschen. Leider habe ich das zum Start meiner No Poo-Erfahrungen nicht gemacht, weil ich es schlichtweg nicht wusste, dadurch hatte ich nach fast einem ganzen Jahr einen „Shampoorückfall“, weil ich den Eindruck hatte, meine Haar wurden nicht richtig sauber. Erst nachdem ich alle Rückstände entfernt habe, konnte ich mit No Poo durchstarten.

Was du dafür brauchst?

Natron oder Soda (Speisenatron, Backsoda, Speisesoda z.B.  Markennamen wie Kaisernatron oder Bullrichsalz) Dieses ist absolut ungefährlich (INCI: Natriumhydrogencarbonat) im Gegensatz zu dem Soda namens Waschsoda oder reines Soda (Das wird aus der Natronlauge gewonnen und wäre ziemlich schädlich!) oder gar Natronlauge oder auch Ätznatron selbst. (Das wäre absolut ätzend für die Haut!)

Achtet also beim Kauf des Natrons oder Sodas darauf, dass keine Gefahrensymbole aufgedruckt sind. Erhältlich ist es ganz einfach in der Backabteilungen im Supermarkt oder in der Drogerie sowie in verschiedenen Onlineshops oder in der Apotheke.

Der pH-Wert von Natron oder Soda, was wir verwenden, liegt bei 8,5. Das ist der Grund, warum eine saure Rinse nach dem Waschen zwingend ist, denn unser Haar und unsere Haut liebt es sauer zu sein, während das Natron basisch ist.

Anwendung

Über die Konzentration herrscht Uneinigkeit, hier hilft es etwas zu probieren. Meine Haare und Kopfhaut vertragen Natron nicht sonderlich gut also verdünne ich mehr bzw. habe ich auch nur eine Anwendung gebraucht bis alle Altlasten runter waren (aber wie schon oben erklärt, hatte ich zuvor schon No Poo gewaschen und nur einmal Naturkosmetikshampoo verwendet)

Natronwasser beinhaltet 1TL oder 1 EL Natron auf 250ml Wasser. Das Natron wird in warmen Wasser aufgelöst und an Stelle von Shampoo auf die Kopfhaut aufgetragen. Es muss sehr gründlich in den Ansatz einmassiert und etwa 3-5 Minuten draufgelassen werden, ehe man es auswäscht.

Natronpaste besteht aus einem konzentrierten Verhältnis von 1:2, das heißt 1EL Natron auf 2 EL Wasser. Es ist normal, dass sich das Natron hier nicht völlig auflöst und das Gemisch ein wenig krümelig wirkt. Diese Paste wird auch an Stelle von Shampoo nach und nach auf der Kopfhaut verteilt und genauso wie das Wasser gründlich einmassiert und wirken gelassen.

Beide Produkte müssen gründlich ausgespült werden und danach muss noch eine saure Rinse über das Haare verteilt werden. (z.B. 1-3 EL Zitrone oder Essig auf 250-500 ml Wasser) Ein Extrabeitrag zum Rinsen folgt noch.

Einen kleinen Haken gibt es noch. Natron zeigt den wahren Zustand der Haare, sehen die Haare ausgetrocknet aus, dann SIND sie ausgetrocknet. Wirken die Spitzen auf einmal splissig, dann SIND sie es auch. Also bitte nicht ärgern und wieder Shampoo verwenden, dieses übertüncht nur den wahren Zustand der Haare und das Haar bzw. die Kopfhaut können sie nie erholen.

Jetzt ist es sinnvoll so lange wie möglich (mind. 4-6 Tage) mit der nächsten Natronwäsche zu warten (aber du musst nicht mit fettigem Haar rumlaufen, du kannst bis zur nächsten Natronwäsche mit Roggenmehl oder nur Wasser waschen) und die Natronwäsche 2-3 Mal anwenden, um auch wirklich alle Rückstände zu entfernen. Ist dies geschehen, kannst du mit der No Poo-Methode deiner Wahl starten. Natron selbst sollte dabei keine Dauermethode sein, da es die Haare nur austrocknet und sonst nicht wirklich pflegend wirkt. Sind die Haare jedoch besonders fettig oder ist eine Kur daneben gegangen, dann kannst du mit Natron einmal zwischenwaschen und die Haare sind wieder tiefengereinigt.

2. Möglichkeit: Low Poo

Dies ist nicht die von mir präferierte Methode aber einige ehemalige Shampoo-Benutzer schwören darauf, dass die Umstellung auch so geklappt haben soll, deshalb stelle ich sie hier auch vor.

Zu diesem Zweck sollte man ein möglichst natürliches Shampoo-Produkt verwenden, das keine Silikone oder andere schädliche Stoffe enthält. Trotzdem sind in jedem dieser Produkte Tenside, die das Haar entfetten und somit die Selbstreinigung stören. Um nun die Umstellung von tensidhaltigem Shampoo auf No Poo zu schaffen, lohnt es sich wohl, das Shampoo immer weiter zu verdünnen, sprich einen Teil Shampoo in eine Extraflasche füllen und mit Wasser auffüllen, den Shampooteil dann immer weiter reduzieren und schlussendlich weglassen bzw. durch Roggenmehl oder andere No Poo-Produkte ersetzen. Diese Methode nennt sich Low Poo (low = niedrig, Poo von Shampoo – also wenig Shampoo).

3. Möglichkeit: Einfach umstellen

Diese Methode wird auch gelegentlich angewendet. Einige Menschen vertragen kein Natron oder wollen keine Extrareinigung machen bzw. verwenden schon seit Jahren Naturkosmetikshampoos womöglich sogar verdünnt. Diese können versuchen, einfach ohne Tiefenreinigung umzustellen. Am besten funktioniert das wohl mit Haarseifen, also einfach an Stelle der nächsten Wäsche mit Shampoo Haarseife verwenden. Natürlich danach auch rinsen und schauen, ob es funktioniert. Sind die Haare unangenehm klätschig, dann sollte doch noch eine Tiefenreinigung erfolgen oder eine andere Haarseife probiert werden. Auch jede andere Methode könnte ihr einfach ausprobieren, es kommt auf die Haarstruktur und den allgemeinen Zustand der Haare an, ob eine radikale Umstellung funktioniert oder nicht. Bei mir hat am Anfang Lavaerde auch super funktioniert, erst nach Wochen wurden meine Haare immer schwerer und klätschiger. Spätestens dann ist eine Tiefenreinigung unerlässlich, um nicht gänzlich die Flinte ins Korn zu werfen.

4. Und was ist mit Tiefenreinigungsshammpoos oder Kuren?

Diese sind teilweise mit noch aggressiveren Chemikalien versehen als konventionelle Shampoos und haben nur den Effekt, dass sie noch stärker entfetten oder die Kopfhaut noch extremer verkleben. Sie haben für die Umstellung auf No Poo keinen echten Tiefenreinigungseffekt und sind somit für diesen Zweck vollkommen unnütz!

 

No Poo – Der Start: Tiefenreinigung und Co.
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Juli

Lehrerin. Trageberaterin. Bloggerin.
Auf meinem Blog teile ich besondere Gedanken, Momente und Aktionen sowie Ideen und Anregungen rund um meinen „grünen Lifestlye“. Unter dem Motto „bewusst leben“ könnt ihr meine Reise mitverfolgen. Ich bin Juli, 29, Lehrerin, Trageberaterin und Einwohnerin der schönen Lutherstadt Wittenberg. Zudem bin ich verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes.

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4 Gedanken zu „No Poo – Der Start: Tiefenreinigung und Co.

  • 3. September 2017 um 18:05
    Permalink

    Ich meinte nicht, dass du das als Experiment machst, sondern die anderen 😀 Wie das so ist mit Trends. Meine Oma hat auch schon immer mit Seife und Backpulver und Lavaerde gewaschen, egal ob das cool war 😉

    Oh, das ist ja krass, dass du keine gut vertragen hast! Bei mir war es so, dass einige Präparate einfach besser wirken als andere, bzw. die Kopfhaut weniger reizen. Aber wenn du so ganz ohne klar kommst, ist das ja auch super!

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  • 30. August 2017 um 16:02
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    Das Experiment machen ja derzeit viele. Ich bin momentan bei Waschen mit Haarseife und „Kur“ mit Mineralerde. Ich habe margilé, die finde ich ganz gut. Du schreibst ja, dass Lavaerde bei dir langfristig nicht so dolle war, hast du auch andere Erden probiert oder nur Lava, und wenn ja, welche?

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    • 30. August 2017 um 19:05
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      Naja ich betrachte es nicht als Experiment sondern als Teil meines Lifestyles, mache es ja mittlerweile mit einer Unterbrechung schon seit 2013. Ich habe verschiedene Lavaerden (also Firmen) ausprobiert und wasche aktuell wieder nur mit Wasser. Das tut meiner Kopfhaut einfach am besten. Ich weiß nicht, ob ich die Lavaerde besser vertragen hätte, wenn ich den ganzen Mist schon vorher runter gewaschen hätte.

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