No Poo: Haare waschen ohne Shampoo, das kann doch nicht funktionieren – ODER?

Zum Auftakt meiner No Poo-Reihe möchte ich mit einigen Vorurteilen aufräumen. Normalerweise binde ich nicht jedem auf die Nase, dass ich ohne Shampoo wasche, trotzdem kommt manchmal in Gesprächen das Thema darauf. Und sofort werden Vorurteile laut.

Ich hab da mal einen Bericht im Fernseher gesehen, da haben die auch gesagt, dass das nicht funktioniert.

Natürlich, wenn das im Fernsehen kommt, muss es natürlich stimmen. *ironieoff* Sicherlich spielen die meisten der Redepartner auf ein Experiment aus taff an, Pro 7 also, einer der seriösesten Sender überhaupt. Auf RTL lief wohl auch dieses Experiment. RTL also – OK.

Hier ist einer der Beiträge, von denen ich rede. Und nun werde ich mit diesen Vorurteilen aufräumen. Meine Kommentare und Anmerkungen werde ich kursiv drucken. Die normal gedruckten Worte geben den Verlauf des Experiments wieder.

Adele, Jessica Alba und die Olsen-Twins werde sofort als Vorreiter genannt. Ein Argument für No Poo, denn alle diese Damen haben wunderschöne Haare. Das fängt ja gut an 😉

„Stars, die ihre Haare nur noch mit Wasser waschen…“

Und schon den ersten Fehler entdeckt. No Poo heißt nicht, nur noch mit Wasser waschen. Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten auf Shampoo zu verzichten. WO (Water only = nur Wasser) ist nur eine Möglichkeit davon, schon ein erster Blick auf meinen Überblicksartikel zeigt, was es noch alles gibt. Der ganze Beitrag geht also von einer falschen Annahme aus und ist somit eigentlich hinfällig, na gut schauen wir weiter.

Die Testerin wird eingeführt und ist definitiv Vertreterin konventioneller Kosmetik. Immer perfekt gestylt, gibt sehr viel Geld für Körperpflege aus und hat sich vermutlich noch nie mit Inhaltsstoffen beschäftigt. Die Produkte, die sie dabei im Clip zeigt sind voller Silikone und andere Mittel, deren Namen sie sicherlich nicht kennt. Eine schlechte Voraussetzung ohne wirkliche Motivation nur des Experiments wegen anzufangen. Auf jeden Fall wird ihre Umstellung lange dauern. Die ganzen Zusatzstoffe müssen runter und dann kann sich die Kopfhaut Stück für Stück umstellen. Ich denke 1/2 Jahr braucht es mindestens. Würde sie mit Naturkosmetikwaschen, dann ginge es sicherlich etwas schneller, denn da sind schon vorab weniger Stoffe drin, die schädlich sind. Aber nun ja… Sie gibt dem Test 6 Wochen. Und natürlich geht sie zu einer Hautärztin, die dem ganzen Trend auch skeptisch gegenüber steht. Es könnten Ekzeme entstehen, die ganzen Haare vor Fett glänzen und natürlich Haarausfall könnte eine Folge sein. Wovon – von erkrankter Kopfhaut. Richtig. Aber was hat No Poo mit erkrankter Kopfhaut zu tun? Das bleibt unklar. Was klar ist, dass die Kopfhaut der Probantin schon vorher ungesund ist. MIT Shampoo wohl gemerkt. Das wurde in einem Test erwiesen. Ups.
Und dann ist da noch der Friseur, der gibt noch den hilfreichen Tipp die Kopfhaut über 50 Grad zu erwärmen. Autsch. Ich mache seit 2014 No Poo, bin in vielen Gruppen aktiv aber bisher ist mir dieser Tipp noch nicht untergekommen. Wasser löst also Fett bei 50 Grad. Was der Mensch wohl in Chemie hatte? Immerhin steht er dem Trend nicht so skeptisch entgegen. Das ist gut.

Nachdem alle Vorurteile klar sind, geht der Test los. Und natürlich sind die Ergebnisse schrecklich. Jeden Tag sieht das Haar schlimmer und fettiger aus, die Probandin friert vom vielen nassen(?) Fett (echt jetzt?) Sie trägt den ganzen Tag Kopfbedeckung und die Kopfhaut juckt und stinkt am Ende sogar.

nasse Haare
Haare fettig? Nein, nur frisch gewaschen.

In den nächsten Tagen kommt ein sinnvoller Beitrag, eine Natronwäsche mit Essigspülung. Et voilá – die Haare sind voller, glänzender und fetten weniger nach. Nun die Frage aller Fragen, warum fängt sie nicht damit an? Warum quält sie sich mit nassen und fettigen Haaren ehe sie das einzig Vernünftige macht – eine Tiefenreinigung. Das Ganze als Shampoo zu bezeichnen ist auch wieder ein Fehler, denn dauerhaft mit Natron zu waschen wird nicht empfohlen. OK, das war ihr scheinbar nicht klar.  Natürlich muss man auch über den Erfolg der Tiefenreinigung unzufrieden sein, denn die Haare seien strohig und unkämmbar (Das ist übrigens der WAHRE Zustand der gezeigten Haare, sie SIND strohig und unkämmbar!) Außerdem möchte sich die Frau nur noch verstecken und mag nicht mehr rausgehen. (Das zeugt ja von wahrlich viel Selbstbewusstsein oder?) Auch die Kollegen sind überzeugt, dass die Haare irgendwie unangenehm sind. Aber nach 10 Tagen sehen die Haare ohne Waschen nicht schlimmer aus als bei ihnen nach 2 Tagen wird kommentiert. Das ist doch ein Fortschritt oder? Nein, denn die arme Probandin muss ja die ganze Zeit kämmen und braucht zu lange im Bad.

Das Ergebnis der „Experten“: Erst wenn man wieder mit Shampoo wäscht, lässt sich das Ergebnis richtig berurteilen. (WAS? NEIN! Dann muss man wieder ganz von vorne anfangen. Jede Shampoowäsche ist ein Rückfall!) Nunja das Ergebnis des Friseurs ist zufriedenstellend. Die Haare sind voller und kräftiger (nach der Shampoowäsche…) Und auch danach das Ergebnis beim Hautarzt: Es wachsen mehr Haare.
Das Ergebnis sind also gesündere und schönere Haare. Die Haarwäsche mit No Poo sei günstiger aber zeitaufwendiger. (Nunja das kommt eben darauf an, was man genau macht.)

Das Fazit: No Poo ist wie essen ohne Zucker. Schmeckt nicht aber ist gesund.

Gut, dass nun am Ende noch ein weiteres Vorurteil dazu kommt. Ohne Zucker essen soll nicht schmecken? Das kenne ich anders und ich ernähre mich aktuell wieder zuckerfrei. Aber das ist ein anderes Thema. Also ein Argument für NoPoo, es ist gesund. Super! Damit ist doch alles geklärt oder?

Hier also nochmal alle Argumente gegen No Poo zusammengefasst und wie sie geklärt werden können.

Das ist mir zu viel zu viel Aufwand. Das ist doch viel zu anstrengend.

Das kommt drauf an, was du machst. Nimmst du Haarseife, dann musst du diese wie Shampoo verwenden, mit Essig nachspülen und fertig. Das ist also ganz einfach. Auch die anderen Methoden sind nicht so viel schwerer. Haaarpackungen und -kuren kann man über Nacht einwirken lassen, Roggenmehl mit Wasser zu mischen dauert 30 Sekunden, auch hier ein“shampoonieren“, ausspülen und fertig. Lediglich bei WO und SO (Sebum only – nicht waschen), sollten die Haare ausgiebig gekämmt werden. Aber auch diese Zeitdauer wird kürzer, wenn sich das Sebum erst einmal verteilt hat. Dieses ist zu Beginn noch zäh und dickflüssig, wird dann aber weicher und dünner. Also alles eine Sache der Gewöhnung. Je länger du No Poo betreibst, desto mehr Routine bekommst du und desto schneller geht es.

Natürliche Haarwaschmittel
Sogar den Gang zur Drogerie kann man sich sparen.

Das stinkt doch dann. Das ist doch unhygienisch.

Genau das Argument kommt ständig von der Probandin im obigen Clip. Ich kann nur so viel sagen, würde es stinken, dann würde es keiner machen. Die Haare riechen nach Haar. Sie riechen nicht nach Orange, Vanille o.ä. aber sie stinken doch nicht. Wenn ja dann sind das die Rückstände, hier gibt die genannte Tiefenreinigung Abhilfe. Aber stinken – das ist quatsch. Für mich stinken Menschen, die zu viel Parfüm oder Weichspüler benutzen, alles eine Frage der (Um-)gewöhnung. Vielleicht kann eine Ernährungsumstellung auch helfen? Dann wird die Zunge und die Nase sensibler 😉 Vielleicht zuckerfrei?

Haare mit Hut
Traut man sich bei No Poo nur noch mit Hut raus?

Das ist nicht gut für die Kopfhaut.

Warum sollte es nicht gut für die Kopfhaut sein? Das Argument habe ich wirklich mal von einer Bekannten gehört.

Ich kenne Menschen, die durch No Poo ihre Schuppen losgeworden sind (mich eingeschlossen), die dadurch ihren Haarausfall verringert haben und einfach mehr und fülligeres Kopfhaar haben. Dazu müssen allerdings die Poren frei werden – Stichwort Tiefenreinigung. Sollte man Kopfhautprobleme haben, dann kann man eine andere Waschmethode ausprobieren oder zum Hautarzt gehen. Dieser kann feststellen, ob ein Pilzbefall o.ä. vorliegt. Der kommt aber nicht vom No Poo sondern durch andere Probleme und liegt meist schon vorher vor. Viele Menschen, die auf No Poo umsteigen, kommen dazu, weil sie eben Kopfhautprobleme haben. Wobei No Poo keine medizinische Lösung ist, liegen da Probleme vor, müssen diese eben ärztlich behandelt werden. Aber für viele kleinere Probleme bietet No Poo eine gute Lösung. Schließlich ist die Kopfhaut sogar in dem Fernsehbeitrag medizinisch besser geworden, also No Poo ist definitiv gut! für die Kopfhaut.

Meine Haare haben …, da kann das nicht funktionieren.

Schuppen, brechen leicht, fallen aus… könnte man für die Punkte einsetzen. Aber genau da schafft No Poo Abhilfe. Es gibt unterschiedliche Teerinsen (dazu kommt auch noch ein Beitrag), unterschiedliche Öle, unterschiedliche Haarmasken. Hier kann man genau das Mittel für die Problemhaare finden. Natürlich kostet das Zeit und manchmal ist man auch echt nur noch genervt von seinen Haaren. Aber es lohnt sich und richtig eingestellt, sind alle Haarprobleme Geschichte.

Haare No Poo
Die Haare nach dem Waschen. Geht doch oder?

Fazit

Ich denke, dass No Poo alles in allem Disziplin braucht. Wer in kurzer Zeit Ergebnisse sehen will, der wird enttäuscht. Es kann auch Phasen geben, da sehen die Haare nicht gut aus, gerade bei WO und SO ist das anfangs oft der Fall. Wer das aber nicht mag, der findet viele andere No Poo Möglichkeiten und Alternativen. Schlussendlich werden die Haare jedoch viel schöner und gesünder als bei jedem Shampoo. Wer jedoch nicht dahinter steht findet Argumente und Vorurteile dagegen.

Vourteil: Das geht doch nicht!
Mein Vorurteil: Das geht nur bei lockigem Haar, rohveganer Ernährung, aber nicht bei mir. Glatte Haare werden doch sofort strähnig und überhaupt, zuviel Junk Food!

(Zitat aus einer No Poo Facebook-Gruppe)

No Poo: Haare waschen ohne Shampoo, das kann doch nicht funktionieren – ODER?
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Juli

Lehrerin. Trageberaterin. Bloggerin.
Auf meinem Blog teile ich besondere Gedanken, Momente und Aktionen sowie Ideen und Anregungen rund um meinen „grünen Lifestlye“. Unter dem Motto „bewusst leben“ könnt ihr meine Reise mitverfolgen. Ich bin Juli, 29, Lehrerin, Trageberaterin und Einwohnerin der schönen Lutherstadt Wittenberg. Zudem bin ich verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes.
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