So überstehst du lange Zugfahrten mit Kleinkind und hast auch noch Spaß dabei

Die Urlaubszeit ist da und aus aktuellem Anlass gibt es deshalb mal einen etwas anderen Beitrag von mir. In der letzten Woche bin ich mit Kleinkind über 15 Stunden Zug gefahren. Darunter gab es auch eine Strecke mit 6 Stunden Fahrt am Stück. Thematisch passt das natürlich insofern, dass Zug fahren definitiv ökologischer ist als mit dem Auto in den Urlaub zu fahren. Doch gerade mit Kleinkind kenne ich viele Familien, die davor zurück schrecken. Doch das muss nicht sein. Damit der Kleine und ich die Zugfahrten gut überstehen, habe ich einige Vorkehrungen getroffen, die uns super durch die Zeit gebracht haben. Diese möchte ich hier mit euch teilen.

1. Wähle die Zeit für deine Zugfahrt ganz genau aus!

Überlege dir ganz genau: Wann schläft dein Kind? Kannst du diese Zeit nutzen? Welche Zeit ist quengelt es am meisten?
Ich habe mich bei den langen Zugfahrten für die Mittagszeit entschieden. Das hatte zwei entscheidende Vorteile. Zum einen wurde die erste Stunde durch das gemeinsame Mittagessen gefüllt und zum anderen gab es danach erst einmal Mittagsschlaf (Ja mein Kind schlief trotz Lärm und Ruckeln super!) Und im Nu sind die ersten zwei Stunden sinnvoll genutzt.
Das wichtigste Reiseaccessoires war dafür dann eine kleine Kinderdecke, die ich immer wieder mitnehmen würde auch wenn wir nicht um die Mittagszeit reisen, denn die Züge sind alle sehr unterschiedlich klimatisiert.

2. Packe reichlich Essen und Trinken ein!

Lieber zu viel als zu wenig ist hier die Devise. Wir haben uns ordentliche Lunchpakete für die Zugfahrten gepackt und beim Umstieg auch nochmal einen kleinen Snack beim Bäcker geholt, das darf zu solchen anstrengenden Zeiten auch mal sein und so durfte der Zwerg ausnahmsweise ein Hörnchen verdrücken und gleichzeitig Gurke und Paprika dazu knabbern. Hauptsache die Laune bleibt positiv. Frisches Wasser stand abgefüllt immer zur Verfügung. Säfte oder andere Süßgetränke würde ich nicht empfehlen. Zugtoiletten sind alles andere als sauber…

3. Nimm genug zum Spielen mit!

Puzzle, Bücher, kleine Spielzeuge, Autos… einfach einen ganzen Rucksack voll Spielzeug haben wir für die Reise zusammen gepackt. Zusätzlich habe ich noch kleine Spielsachen hinzu gegeben, mit denen sonst nicht gespielt wird. Das kleine nervige Tut Tut-Auto, was ununterbrochen blinkt und singt – etwas was es bei uns zu Hause nicht gibt aber für die Reise eine tolle Abwechslung bringt. Natürlich haben wir darauf geachtet, andere Fahrgäste nicht zu stören aber ganz ehrlich störender ist ein weinendes Kleinkind 😉

4. Beschäftige dich mit deinem Kind während der Zugfahrt!

Ja und das ist wirklich schade, dass ich das als Extrapunkt schreiben muss. Das Kind in einen Buggy zu setzen, ihm ein Brötchen in die Hand zu drücken und zu schimpfen wenn es Aufmerksamkeit sucht, ist leider keine Lösung und das musste ich leider auf meiner Fahrt beobachten.Wie wäre es damit, gemeinsam die Landschaft zu untersuchen? Oder Fingerspiele zu spielen? Auch kann man gemeinsam singen. (Keine Angst, die anderen Fahrgäste lächeln meist oder singen sogar mit!) Oder miteinander erzählen, was man am letzten Urlaubsort erlebt hat. Wenn das Kind dann etwas älter ist funktioniert ganz sicher auch Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst oder andere kleine Unterhaltungsspiele.

Und wie ist das mit Tablet?

Ja auch ich habe ca. 1/4 Stunde der gesamten Fahrzeit lang eine kleine Kinderfolge auf dem Tablet gezeigt, ganz am Ende weil der Kleine einfach nicht mehr konnte und wir außerdem noch fest steckten und nichts vor oder zurück ging aber das war eine Ausnahme. Die kleinen Gehirne müssen sowieso schon so viele neuen Informationen und erstaunlichen Dinge verarbeiten, das Kind die ganze Zeit vor elektronischen Geräten zu „parken“, halte ich für falsch. Entscheiden muss das natürlich dann jedes Elternteil für sich.

5. Überlege, ob du das Kleinkindabteil im Zug nutzen willst!

ICs und ICEs haben meistens Sonderabteile im Zug, die speziell für Kinder eingerichtet sind. (Leider gibt es auch Ausnahmen.) Unser Bereich war mit extra großem Platz und bunten Spieltischen ausgestattet. Es gibt wohl auch Bereiche mit extra Spielbereichen oder einfach nur abgegrenzte Abteile, so dass man die anderen Fahrgäste nicht stört bzw. diese uns nicht. 😉

Vorteil ist, dass sich das Kind im begrenzten Bereich frei bewegen kann, was im Großraum eher schwierig ist. Außerdem konnte der Kleine mit anderen Kindern in Kontakt kommen, spielen und die Eltern können sich unterhalten und das alles zu einer Lautstärke, die andere Fahrgäste nicht stört. Nachteil: Schlafen oder zur Ruhe kommen ist kaum möglich, es gibt, sofern der Bereich noch von anderen Eltern genutzt wird, immer Gewusel. Zudem sind die Abteile meistens überfüllt und ziemlich krümelig (man könnte auch sagen vollkommen verdreckt). Auf einer Strecke haben wir eines genutzt, allerdings gab es da auch nur eine andere Familie, so dass das Fahren ziemlich entspannt war. Überhaupt waren wir auf niedrig frequentierten Strecken unterwegs. Sicherlich auch auf Grund unserer Zeitwahl, was ein weiteres Argument für die Mittagszeit ist. Wir mussten deshalb nicht einmal Plätze buchen.

6. Vermeide zu viel Gepäck!

Spielzeug, Essen, Kleidung… ja natürlich! Aber nicht übertreiben. Man braucht nicht den ganzen Kleiderschrank und auch nicht das komplette Spielzimmer mitnehmen. Begrenze dich am besten schon beim Einpacken auf einen Koffer pro Erwachsenen (Kinderkoffer finde ich aktuell noch quatsch, denn die muss man auch nur selber tragen) und noch maximal einen Rucksack, denn bedenke im Zweifelsfall musst doch noch dein Kind tragen. OK, es gibt Kinderwägen aber damit würde ich nie längere Bahnstrecken fahren. Das Hoch- und Runter beim Wechseln des Bahnsteigs, dann noch einen Platz für den Wagen finden… Ich nutze dafür immer eine Tragehilfe, am liebsten einen Fullbuckle. Der ist schnell und einfach angelegt und passt immer. Auch größere Kinder werden einmal müde oder sind schlecht gelaunt, da möchte man es nicht noch hinter sich herziehen, zumal man auch für den schwerem Koffer gerne noch beim Umsteigen beide Hände frei haben möchte. Ich habe es also wieder nicht bereut, eine Trage aus meinem Sortiment mitgenommen zu haben, denn wir brauchten sie zwischendurch wirklich dringend.

7. Und sonst noch?

Plane deine Route genau. Und wenn ich das sage, mach es wirklich, denn ich bin generell eher Typ chaotisch;) Aber wenn du mit Kleinkind noch zwischendurch etwas nachschauen oder das Gleis suchen musst, entsteht schnell zu viel Verwirrung und ihr verliert euch im schlimmsten Fall noch. Besser ist es, genau zu wissen, wo du hin musst. Das heißt natürlich trotzdem, dass ihr zusammen das Gleis suchen könnt oder eben einen kleinen Abstecher zum Bäcker o.ä. macht. Aber dir muss klar sein, wann du wieder wohin musst, damit ihr pünktlich und ohne Stress ankommt.

Mache klare Ansagen: Dein Kind hat nicht über den „weißen Strich“ am Bahnsteig zu gehen, dann sag es und setze das konsequent durch. Dein Kind soll gerade in dem Moment sitzen bleiben, dann sorge dafür, dass es das macht. Ihr seid eine ziemlich lange Zeit am Stück zusammen, wichtig also zu klären, welche Regeln es gibt, damit ihr beide wisst, woran ihr seid. Liebevoll und vielleicht auch etwas lockerer als sonst ja aber gerade wenn es gefährlich werden könnte, muss dein Kind wissen, dass du bestimmst, wo es langgeht.

Habt Spaß (!!!) Eine Zugfahrt ist ein Erlebnis. Klar ist sie anstrengend aber sie ist auch gleichzeitig eine Entdeckertour in neue Umgebungen, das könnt ihr gemeinsam erleben und mit einer positiven Einstellung habt ihr und euer Kind ein gemeinsames Erlebnis, von dem ihr noch lange zehren könnt. 🙂

So überstehst du lange Zugfahrten mit Kleinkind und hast auch noch Spaß dabei
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Juli

Lehrerin. Trageberaterin. Bloggerin.
Auf meinem Blog teile ich besondere Gedanken, Momente und Aktionen sowie Ideen und Anregungen rund um meinen „grünen Lifestlye“. Unter dem Motto „bewusst leben“ könnt ihr meine Reise mitverfolgen. Ich bin Juli, 29, Lehrerin, Trageberaterin und Einwohnerin der schönen Lutherstadt Wittenberg. Zudem bin ich verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes.
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5 Gedanken zu „So überstehst du lange Zugfahrten mit Kleinkind und hast auch noch Spaß dabei

  • 1. Juli 2017 um 13:51
    Permalink

    Toller Beitrag von Dir!
    Schade, dass es zu der Zeit, als ich noch kleine Kinder hatte, kein Internet oder hilfreiche Blogartikel gegeben hat.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    Antworten
  • 1. Juli 2017 um 9:47
    Permalink

    Liebe Juli,
    man kann in Deutschland mit Hermes Koffer verschicken. Das ist sehr praktisch, wenn man nicht so viel Gepäck im Zug mitnehmen möchte. Ansonsten finde ich deine Tipps großartig. Ich habe keine Kinder und aus „Pendlerinnensicht“ gibt es nichts schlimmeres als Eltern die sich nicht um ihre Kinder kümmern und diese schreien und quengeln lassen, weil sie sich lieber mit sich selbst beschäftigen. Dabei ist es auf einer Zugfahrt so einfach ein Kind zu unterhalten.
    Beste Grüße
    Regina

    Antworten
  • 1. Juli 2017 um 1:05
    Permalink

    Liebe Juli,

    super Tipps hast du hier zusammengefasst! Toller Beitrag, der Müttern sicher weiterhilft. Ich wusste gar nicht dass es eigene Kleinkinderabteile gibt. Das finde ich ja toll!

    Liebe Grüße und schönen Abend!
    Verena

    Antworten

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