Barfußschuhe

Ich hasse Schuhe kaufen. Ja ich bin eine Frau, die sich nicht gerne in Schuhgeschäften aufhält. Der Geruch von Plastik und Leder und Schuhcreme… stößt mich ab. Zudem habe ich einen sehr breiten Spann, die meisten Schuhe passen mir eh nicht. Online bestellen kann ich deshalb auch vergessen. Das habe ich ausprobiert und das Paket ging 1:1 wieder zurück. Zudem müssen meine Wunschschuhe gut aussehen und auch noch praktisch sein, da ich den größten Teil des Tages im Stehen verbringe. Zu viel Absatz – Aua! Zu eng – Sofort Aua! Zu weit – Aua nach ein paar Stunden. Ich denke, das Problem ist klar.

Die Lösung?

Als ich noch in Leipzig gewohnt habe, musste ich natürlich den neusten Trend „Barfußschuh“ auch ausprobieren und habe mich direkt im Leguano-Laden beraten lassen und mir daraufhin ein Paar „Aktiv Lavaschwarz“-Leguanos zugelegt. Die Strumpfmodelle fand ich persönlich ziemlich hässlich, deshalb habe ich das zusätzliche Geld in dieses schöne Modell investiert. Auslöser dafür waren die besagten Schuhprobleme und ein anstehender Urlaub, bei dem klar war, dass ich auch längere kleine Wandertouren machen würde. Allen Empfehlungen zum Trotz habe ich die Schuhe sofort angelegt und praktisch den gesamten Urlaub getragen.

Hier noch einige Extra-Infos zu den Leguanos: Das Obermaterial der Leguanos besteht aus einem Mischgewebe (Obermaterial:100% Polyester, Futter und Innensohle: 100% Mikrofaser, Sohle: 100% LIFOLIT®) es gibt in anderen Preiskategorien auch Barfußschuhe aus Leder. Die Sohle ist ca. 0,8 cm dick und die Naht zum restlichen Schuh sauber verarbeitet. Empfohlen wird meist eine Größe mehr als sonst, mir passte lustigerweise eine Größe kleiner, da ich ja wie schon beschrieben nur einen breiten Spann und recht kurze Zehen habe – demnach waren das wohl die ersten Schuhe, die mir wirklich echt passten. Ich empfehle vorheriges Austesten oder Ausmessen.

Barfußschuhe – Was heißt das überhaupt und was sind die Empfehlungen?

Ausgehend vom Begriff „barfuß“ ist sicherlich schnell klar, was ein Barfußschuh sein soll, er hat die Aufgabe das Gefühl des Barfußgehens nachzuahmen. Der Sinn des Barfußlaufens ist, dass die Fußmuskeln besser trainiert werden und somit Fußfehlstellungen aber auch Rücken- und Haltungsprobleme korrigiert und vermieden werden sollen. Je mehr also Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto eher werden sie gekräftigt und können den restlichen Körper gut halten. Zudem spürt man die Unebenheiten des Untergrunds, was wie eine Massage für die Füße sein kann. Auch soll dadurch mehr Wärme erzeugt werden, so dass man in Barfußschuhen nicht friert. Sogar das Immunsystem sollen sie durch einen besseren Stoffwechsel unterstützen.
Jedoch besteht im Unterschied zum direkten Barfußlaufen nicht die Gefahr sich zu verletzen oder komplett auszukühlen, es handelt sich nämlich trotzdem um einen Schuh.

Doch wie sind die Empfehlungen? Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, wir sind ja schließlich gar nicht mehr an das Barfußlaufen gewöhnt. Der Untergrund ist hart und damit können unsere Muskeln den Belastungen nicht stand halten. Deshalb empfehlen fast alle Hersteller langsam anzufangen. Also erst einmal 15 Minuten Barfußschuh tragen pro Tag und die Zeitdauer strecken. Joggen sollte noch einmal behutsamer angefangen werden, denn die Belastung ist dort noch größer. Auch wird teilweise auf das (Wieder-)erlernen des Ballengangs verwiesen.

Meine ersten Erfahrungen mit den Schuhen

Ich erwähnte ja schon, dass ich allen Empfehlungen zum Trotz einfach loslegte. (Ich hatte und habe keine Probleme mit meinen Gelenken und empfehle das auch ausdrücklich nicht weiter, es geht nur um meine! Erfahrungen) Die erste kleine Tour ließ nicht lange auf sich warten und so lief ich in meinen neuen Schuhen los. Und musste mit Erstaunen feststellen, wie bequem das Laufen ist. Es fühlte sich so an, als würde mein Rücken und meine Bandscheiben langgestreckt werden und ich mich automatisch erhöhen, eine gerade Haltung war definitiv die Folge. Und sogar mit 12 kg Kind auf dem Rücken war das Laufen ohne Probleme möglich. Zudem kaufte ich noch extra Schnürsenkel in Neongrün dazu, die die Schuhe noch optisch zum Highlight machen, jedoch auch für andere Outfits mit schwarzen Schnürsenkeln unauffällig wirken. Am ersten Abend hatte ich, wie sollte es auch anders sein, natürlich extremen Muskelkater. Am zweiten Tag ging es natürlich trotzdem weiter. Den dritten Tag habe ich dann erst einmal ausgesetzt. Zum einen taten mir meine Füße wirklich weh und ich empfand die „gepolsterten“ Sohlen meiner anderen Schuhe als wirklich angenehm, zudem regnete es. Hier kommt ein kleineres Manko. Die Schuhe sind nicht wasserdicht. Sie weisen im Gras etwas ab aber eine längere Zeitdauer bei nassem Wetter halten die Leguanos nicht trocken. Allerdings sind sie so leicht und dünn, dass sie auch schnell wieder trocknen.
Den restlichen Urlaub begleiteten die Schuhe mich dann immer wieder, unterbrochen durch einzelne Tage, in denen ich den Muskelkater losbekommen musste. In der gesamten Zeit bin ich nicht einmal umgeknickt, was für mich ziemlich erstaunlich ist ^^ und das blieb auch die nächsten Monate so.

Langzeittest

Danach blieb ich dabei. Mittlerweile sind es 7 Monate. Alle anderen Schuhe verblieben zumeist im Schrank, ich lief nur noch in meinen Barfußschuhen bis der Winter kam. Die Kälte des Herbstes konnte ich noch mit den dicken gestrickten Socken von meiner Mama überstehen aber Frost und Minusgrate waren mir doch zu kalt an den Füßen. Ich muss mir also im kommenden Jahr definitiv noch ein zweites Paar Winter-Barfußschuhe zulegen. Vielleicht auch noch von einer anderen Marke, damit ich den Vergleich bekommen kann. Unangenehm wurden mir zuerst meine Hausschuhe. Schnell habe ich mir dort auch ein paar Barfußsocken von Collégien zugelegt. Auch sämtliche Schuhe mit Absatz lassen sich nur noch bedingt gemütlich tragen. Mein Rücken fühlt sich nach längerer Zeit immer wie zusammengestaucht an.  Ab und an, wenn ich ein besonderes Outfit habe oder einfach mal chic ausgehe, trage ich noch Absatzschuhe aber nach einem Abend reicht mir das auch.
Am Ballengang habe ich mittlerweile auch gearbeitet, mir einige Videos angesehen und verschiedene Übungen gemacht allerdings erscheint er mir persönlich aktuell zu umständlich und unnatürlich. Ich laufe mittlerweile wieder einfach drauf los, ich denke etwas weniger mit der Hacke aber definitiv nicht im reinen Ballengang. Aber das Laufen fühlt sich trotzdem angenehmer an als vorher.

Fazit

Alles in allem muss ich sagen, dass ich vorher nie bequemere Schuhe hatte. Sie passen zu meinem breiten Spann, einmal gewaschen sind sie wieder sauber und gerade für mich, die ich fast den ganzen Tag im Stehen verbringen, sind sie für den Rücken einfach nur angenehm. Ich würde mir die Schuhe jeder Zeit wieder kaufen, werde mir mir aber aus Neugier (und weil ich mir einfach keine 10 Paar Barfußschuhe leisten kann…) definiv noch andere Firmen testen. Davon werde ich hier dann natürlich auch wieder berichten.

Warum passt das Thema Barfußschuhe zum „grünen Lifestyle“?

Für mich bedeutet „grüner Lifestyle“ unter anderem auch „Back to the roots“ also zurück zu unseren eigenen Wurzeln, den Wurzeln unseres Körpers, der ist nämlich so richtig toll, wie er gebaut wurde. Wir können unsere Haare selber regulieren ohne Chemie und so auch aus uns selbst heraus laufen ohne viel Gedöns drumherum. Natürlich ist der Fortschritt trotzdem nicht negativ anzusehen, gerade für Menschen mit Fehlstellungen etc. ist das Laufen mit passendem Schuhwerk sinnvoll und richtig (wobei ich mir sicher bin, dass einige Fehlstellungen auch durch das unpassende Schuhwerk ausgelöst wurde…sonst lässt es sich ja nicht nicht verkaufen)  und ich laufe auch nicht barfuß, weil es für mich doch zu extrem wäre (ich kenne aber Leute, die immer barfuß unterwegs und super gesund sind) und dementsprechend sind Barfußschuhe hier die gesunde Mitte, der Kompromiss mit dem ich gut leben kann.

Barfußschuhe
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Juli

Lehrerin. Trageberaterin. Bloggerin.
Auf meinem Blog teile ich besondere Gedanken, Momente und Aktionen sowie Ideen und Anregungen rund um meinen „grünen Lifestlye“. Unter dem Motto „bewusst leben“ könnt ihr meine Reise mitverfolgen. Ich bin Juli, 29, Lehrerin, Trageberaterin und Einwohnerin der schönen Lutherstadt Wittenberg. Zudem bin ich verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes.
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12 Gedanken zu „Barfußschuhe

  • Pingback: #5 Zufallsmomente der Woche: Ausflugtipp und Barfußsandalen ⋆ Zufallsmoment

  • 11. Juni 2017 um 12:37
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    Diese Leguanos sind mir vom ersten Tragen an an den Fuss gewachsen. Ausser bei extremer Nässe und extremen Schnee trage ich sie immer. Für den letzten Winter hab ich mir im Sale die Lederstiefel von Vivobarefoot gegönnt und ich kann sie nur weiterempfehlen. Bei extremer Kälte mit einer gefilzten Einlage und Stricksocken sehr warm. Zu chicen Anlässen hab ich immer die Leguanos in der Tasche, und bei Bedarf zieh ich diese auch an. Chic hin oder her, meine Füsse mögen nichts anderes mehr. Und noch nie hat jemand komisch geguckt bei der Kombi rotes Spitzenkleid u schwarze Leguanos. ( allerdings geh ich nicht auf irgendwelche Empfänge mit vorgeschriebener Kleiderordnung)

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    • 11. Juni 2017 um 13:38
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      Oh da werde ich im Winter sicherlich auf deine Empfehlung zurück kommen. Ja ich habe die Leguanos auch gerade immer an auch zum Sommerkleid. Aber eben habe ich mir so ein Paar Mittelaltersandalen mitgenommen. Mal sehen, ob das eine Sommeralternative wird, denn akuell finde ich sie schon ganz schön warm. Es sind aber die perfekten Übergangsschuhe für Frühling und Herbst. 🙂

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  • 7. Mai 2017 um 21:13
    Permalink

    Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Gut, dass du mich vor den Solerunners warnst, ich würde halt gerne nochmal einen anderen Style testen aber mit der selben Qualität. Mal sehen, was sich da ergibt. Ja Wildlinge finde ich auch echt hübsch. Naja wenn ich mal ausgehe, trage ich schon noch Stöckelschuhe aber angenehm, nein das sind sie nicht aber das waren sie auch schon vorher nicht.
    Wenn ich etwas anderes teste, dann erfährst du es zumindest hier sofort. 😉
    Viele Grüße
    Juli

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  • 6. Mai 2017 um 17:49
    Permalink

    Jetzt hab ich hier einen eldendig langen Kommentar getippt und auf einmal war alles weg 🙁 Also noch mal in Kurzform:
    Leguanos „Socken“ habe ich seit 1,5 Jahren, bin ultra zufrieden und der Service ist klasse.
    Meine aktuellen Winterschuhe sind von Solerunner (Yepa) für schlappe 180€. Service leider absolut grauenvoll. Nach 2 Wochen hatte ich schon leichte Auflösungserscheinungen und wurde pampig an ein Schuhgeschäft (Schnürsenkel) und einen Schuster (Lasche hinten ab) verwiesen. Das kann bei dem Preis nach zwei Wochen meiner Meinung nach einfach nicht sein.
    Aktuell suche ich noch etwas sozialverträglichere Übergangsschuhe und habe ein Auge auf Wildling geworfen. Mal schauen. Ich bin auf jeden Fall ein Fan und kann deinen Artikel zu 100% unterschreiben. Frauen, die Wert auf die Herrschaft der Männer legen sollten sich aber bewusst sein, dass das Laufen in Stöckelschuhen seeeeeehr unangenehm ist, wenn die Füße erst einmal an Barfußschuhe gewöhnt sind.

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  • 4. Mai 2017 um 15:46
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    Hallo Juli, schöner Artikel. Kleiner Hinweis: Die Sohle der leguanos besteht NICHT aus Mischgewebe, hier meintest du bestimmt das Obermaterial des leguano aktiv Modells. LG von der leguano GmbH

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    • 4. Mai 2017 um 16:09
      Permalink

      Oh vielen Dank für den Hinweis. Die Sohle besteht aus diesem LIFOLIT, das werde ich gleich noch ändern.

      Antworten
  • 2. Mai 2017 um 19:03
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    Sehr interessanter Bericht, habe vor Kurzem einen Bericht darüber im TV gesehen.
    Liebe Grüße Sigrid

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    • 2. Mai 2017 um 21:14
      Permalink

      Danke, ja der Trend geht in die Richtung weniger ist mehr, das ist super, wenn wir uns wieder auf das verlassen können, was unser Körper eigentlich selbst kann. Ich liebäugle auch schon mit einem 2. Paar, frau brauch ja mehr Schuhe…

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  • 26. April 2017 um 7:08
    Permalink

    Hallo Juli,
    danke für den tollen „Testbericht“. Da ich unter starken Rückenproblemen leide, hört sich das für mich echt gut an.
    Ich werde mich gleich mal erkundigen was so ein Paar kostet und wo es einen guten Laden dafür gibt. VG

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    • 26. April 2017 um 20:17
      Permalink

      Gerne. Du kannst ja berichten, ob sie dir auch geholfen haben. 🙂

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